Wer anderen eine …
… Grube gräbt, usw.
Da sitze ich stundenlang auf dem Treppenabsatz vor Hirndorfs Wohnungstür, denke über abgeschlossene Angelegenheiten nach und dann passiert mir auch noch folgendes… Bauarbeiter hatten aus unerfindlichen Gründen eine tiefe Grube ausgehoben, in der sie mit ihren schweren Gerätschaften die Erde hin und her bewegten. Natürlich hatten die Arbeiter Absperrbänder angebracht. Die rot-weißen gestreiften Plastikbänder gaben komisch surrende Geräusche von sich, sobald der Wind sie streifte.
Ich bemühte mich, vorsichtig die Ränder der Grube zu umgehen. Erfolglos. Ganz gleich, wie ich mich auch anstrengte, meine Füße bewegten sich von allein direkt auf das riesige Loch zu. Immer näher und näher, bis ich schließlich hinein rutschte. Mit einer Hand hielt ich mich an der Plastik fest, die andere umklammerte meine riesigen Einkaufstüten. Scheinbar hatte ich gerade einen Großeinkauf hinter mich gebracht. Ich fiel tiefer und tiefer. Als ob versteckt hinter den Häuserfronten die Menschen nur darauf gewartet hatten, bildete sich in Windeseile eine Menschentraube.„Nun starren Sie doch nicht so!“ schrie ich atemlos. „Holen Sie mich hier raus!“ Die Menschen schauten sich an, nickten wissen mit den Köpfen und murmelten: „endlich hat sie ihre verdiente Strafe erhalten.“ Mir war völlig unklar, wofür ich eine Bestrafung erhielt und ich befürchtete, dass jeden Moment Steine auf mich niederprasselten. Ratlos schaute ich bis zum Grund der Grube und bemerkte, dass dort Bauarbeiter, emsig wie Ameisen, umher hasteten.„So helfen Sie mir doch! Bringen Sie mich hier raus!“ Ich schrie und schrie, doch auch sie reagierten nicht. Es war verschenkt. Niemand würde mir heraus helfen.Ungeschickt band ich mir mit dem Stück Plastikband, das ich noch immer in den Händen hielt, die Einkaufstüten um den Leib und versuchte Stück für Stück durch den Dreck nach oben zu kriechen. Immer wieder rutschte ich tiefer, mühsam krallte ich mich weiter in die Erde auf den Weg nach oben, bis ich schließlich den Rand der Grube erreichte.Noch immer standen die Menschen auf dem Bürgersteig und beobachteten mich…
Die Entdeckung der Langsamkeit
Ich lese meist mehrere Bücher auf einmal. Derzeit ist es Herr Mann mit “Königliche Hoheit”, Herr Kafka mit seinen Erzählungen und eben habe ich Sten Nadolny`s “Entdeckung der Langsamkeit” auf meinen Schreibtisch gelegt.
All diese Bücher kenne ich. Sie wären nicht bei mir, hätte ich sie nicht bereits gelesen. Ich gehe nämlich folgendermaßen vor: zuerst leihe ich Literatur aus der Bibliothek. Ich lese sie und entscheide dann, ob es ein Buch ist, das ich mehrmals lesen werde. Falls ja, erwerbe ich es. All die Bücher bekommen einen besonderen Platz in meinem Bücherschrank oder in den offenen Regalen. Es gibt also im grunde genommen keinen besonderen Platz, es sind alles Besonderheiten. Wertvolle Plätze. Ein Platz so kostbar wie der andere.
Ebenso denke ich über Bilder (ich möchte unbedingt noch vom gestrigen Besuch berichten, erinnern Sie mich daran, werte Leser, sollte es in Vergessenheit geraten) denn ich bin der Ansicht, dass nicht ich das Bild oder Buch aussuche. Sondern diese mich finden. Ist es doch so, dass ich gerade zum jetzigen ungeduldigen Zeitpunkt Herrn Nadolny zur Hand nehmen möchte, der sich mit der Langsamkeit in einer besonders schnelllebigen Zeit beschäftigt.
Das Buch findet also mich.
Und dann ist da noch der Besuch. Ein dienstlicher Auftrag, der in den Hintergrund trat, als ich ihm begegnete.
Er ist ein siebenundachtzigjähriger Mann. Sein gesamtes Leben besteht aus Kunst. Als ich seine Wohnung betrat, war ich umringt von unzähligen Gemälden. Landschaften, Städte, Akte. Kohlezeichnungen. Eines eindrucksvoller als die andere. Ich empfand Hochachtung. Er berichtete von all seinen Reisen, erzählte mir über sein Leben im Kloster und seine Bedächtigkeit und Ruhe linderten meine Ungeduld. Einmal schlich sich Trauer in seine Stimme und mit einer beiläufig wirkenden Geste strich er sich über die Augen. Seine Freundin sei im Pflegeheim, sagte er. Und- sie wird nicht mehr lange am Leben sein. Dann fiel sein Blick erneut auf die Schätze an der Wand und sein müder Körper straffte sich.
Was soll ich mehr sagen.
Nächsten Donnerstag sehen wir uns wieder. Dann darf ich in seiner Kunstliteratur stöbern, die übrigen Werke in den Nebengelassen betrachten und mehr aus seinem Leben erfahren.
Was das nun mit dem von mir gewählten Buch zu tun hat?
Jedes Buch und jedes Bild findet die richtige Zeit. Nur den wachen Blick, der nötig ist, um es zu erkennen, das ist eine höchstpersönliche Angelegenheit.
Vierzehn Stufen
… und während man wartet, reißt man Blütenblätter ab und versucht den Vollmond zu bezwingen.
Seit neuestem bin ich dazu über gegangen, gegen zwei Uhr morgens einen Apfel zu essen. Schlaftrunken erhebe ich mich, laufe barfuß meine vierzehn Stufen nach unten, bemühe mich, den Hund nicht zu wecken und stehe am Küchenfenster. Ich schaue beim kauen hinaus, grad so, als ob etwas Besonderes zu entdecken wäre. Im Nebengebäude brennt kein Licht und das Baufahrzeug, das mit dem Rückbau einiger Wohnhäuser beschäftigt ist, hat den Arm ruhend auf den Boden gelegt.
Alles schläft.
Der Apfel hilft mir nicht und so gehe ich, nun bereits ziemlich munter, die vierzehn Stufen zu meinem Bett hinauf. Unruhig wälze ich mich hin und her und warte.
Erneut.
Literaturwettbewerb
Nun habe ich den Umschlag, nicht ohne mehrmals drauf zu spucken, in den Postkasten geworfen.
Und ganz ehrlich? Manchmal frage ich mich, aus welchem Grund ich an Literaturwettbewerben teilnehme.
Diesmal war es dieser hier:
http://www.mdr.de/mdr-figaro/literatur/5002946.html
Vielleicht, weil mich Frau Katharina Kammer-Veken wieder einmal dazu getrieben hat? Sie lässt nicht locker, diese schöne alte Dame. Inzwischen ist sie dazu übergegangen, den Chemnitzer Schriftstellerverband in den höchsten Tönen zu loben. Warum ich mich nicht endlich zum Beitritt entscheide, fragt sie mich ständig.
So langsam gehen mir die Argumente aus.
Ist es vielleicht meine “Eigenbrötlerische Art”, die in schon auch manchmal an mir habe? Was gäbe es sonst für Gründe, mein Süppchen bereits über Jahre immer alleine zu kochen? Ein Wettbewerb ist das höchste der Gefühle. Vielleicht weil ich anonym und nicht mehr als ein paar gedruckte Buchstaben bin.
Ich nehme weder an den sogenannten Poetry Slams teil (Allein schon dieses unschöne Wort! Kann man nicht einfach “Dichterwettstreit” sagen und es ein wenig anspruchsvoller gestalten?), noch bin ich wild auf die immer wieder zu veranstaltenden Lesungen. Natürlich ist es eine schöne Sache, wenn ich sehe, wie das Publikum beim lauschen meiner Texte vergisst zu atmen. Wie sie erleichtert aufatmen und lachen, wenn ich dazwischen werfe: “Sie können wieder Luft holen, es wird alles gut.”
Es macht Spaß, doch es ist auch anstrengend. Aber vielleicht fehlt mir auch dieses Geltungsbedürfnis.
Und nun der Schriftstellerverband in Chemnitz? Das ist zuviel des Guten.
Oder es ist meine Angst vor dem sezieren. Ich weiß, ich würde mich beeinflussen lassen und meine eigenen Texte nicht mehr mögen.
Was meint ihr? Soll ich, oder soll ich nicht? Welche Vorteile könnte es bringen?
Ewiges Warten
Derzeit lerne ich gerade meine Ungeduld zu bezwingen.
Wie bekommt man das noch besser hin? Gibt es unter Euch ungeduldige Leser, die mir mit Ratschlägen zur Seite stehen können?
Da wartet man sehnsüchtig auf den angekündigten Anruf, erhält ihn dann schließlich auch, nur die sich darin befindliche Aussage ist nicht zufriedenstellend. Sie war ja auch nicht ablehnend, diese Aussage. Aber es sind eben noch immer keine Nägel mit Köpfen. Und so warte ich erneut drei Tage länger, um schließlich eine definitive Antwort auf meine Fragen zu erhalten…. und hoffe, dass sich nicht sämtliche Träume mit einem lauten Knall in “Nichts” auflösen.
Ich hasse diese Ungeduld an mir!! ![]()
Momentane Stimmung
irgendwie ganz mächtig so:
http://www.youtube.com/watch?v=_BZsXVf6INc
http://www.youtube.com/watch?v=xz07Hf5htfY&feature=related
veranlagt. und so höre und höre ich es immer wieder…
Heute
Morgen
Körpersprache
… und dann gab es da noch ein Seminar zum allseits beliebten Thema “Körpersprache”.
Er:
http://www.rudirhode.de/vortraege/schauspielerische-vortraege.htm
höchstpersönlich unterhielt uns nicht schlecht. Mit Sicherheit kommt ihm bei der Umsetzung seine schauspielerischen/pantomimischen Erfahrungen zugute. Aber lest selbst. Es lohnt sich.
Und- um ein zurückfinden auf meinen blog zu ermöglichen:
- was meint ihr zum Thema “Körpersprache”? Wie sind eure Erfahrungen? ![]()
Fragende
Ist es Unbeweglichkeit oder fehlende Courage, die oftmals behindert?
Wäre es so, würde ich streichen. Durchstreichen. Wegstreichen. Die Uhr zurückdrehen, Worte anders wählen.
Den Koffer nochmals neu packen.
Schweigend sprechen.
Stattdessen sitze ich hier, in einem Vakuum zwischen weinen und lachen. Und kämpfe, um irgendwie damit klar zu kommen.
Und dann gibt es noch Männer, die Fragen stellen, die ich selbst nicht beantworten kann.
Ich hasse diese Momente.









