Paradalis’s Weblog

Der Geher

Veröffentlicht in Aktuelles by paradalis am April 30th, 2008

Der kleine Mann, von dem ich berichten möchte, ging zwanzig Schritte vor, dann drehte er sich abrupt um und lief zwanzig Schritte zurück. Das Ganze wiederholte sich ständig.

Er trug zu kurze Hosen, seine Knöchel, die hervor lugten, waren unnatürlich geschwollen. Auf dem Kopf hatte er eine Melone, seine Jacke war ebenso wie die Hose zu klein. Schauten aus den Hosen die Knöchel, so sah man aus den Jackenärmeln die zierlichen, fast mädchenhaft wirkenden Handgelenke.
Sein Gang war hastig, eilig und er zählte die Schritte.
Natürlich war es für ihn unmöglich voranzukommen. Mit unbeweglicher Miene lief er vor und zurück.
Zwanzig mal hin und zwanzig mal zurück.
Langsam bildete sich eine Menschentraube.

“Was macht der da nur?”, fragte eine Frau. Aufgeregt zupfte sie am Arm ihres Mannes. Dann ging sie zu leichten Schlägen über, in der Hoffnung, er würde endlich antworten.
“Lass mich in Ruhe”, brummte der Mann. “Ich weiß das ebenso wenig wie du. Wahrscheinlich hat er einen Aussetzer. Oder eine andere Macke. Die haben wir doch schließlich alle. Und hör endlich auf, an mir herum zu fummeln!”
Die Frau drehte sich beleidigt weg. Sie fühlte sich unverstanden.
“Es ist doch immer das Gleiche”, dachte sie. “Ich kann sagen und machen, was ich möchte, ihm ist es nie recht. Ständig fühlt er sich belästigt. Da könnte ich mich auch in Luft auflösen, es wäre ihm gleich.”

Die vernachlässigte Frau intensivierte ihren Blick in Richtung des zwanzig Schritte gehenden Mannes. Sie wartete, bis er seine abrupte Drehung macht, dann lief sie plötzlich hinter ihm her.
Zwanzig Schritte vor, zwanzig Schritte zurück.

Ihr Mann senkte seinen Blick auf den Boden. Was hatte sie denn nur mit dem Verrückten?
Instinktiv übernahm die Frau die Schrittfolge des vor ihr gehenden Mannes. Es wirkte, als ob beide eine Figur wären. Fast bewegungslos klebte sie am Rücken des Gehers und bewegte ihre Beine im Takt der seinen.

Zwanzig Schritte vor, zwanzig Schritte zurück.
Keine Regung in ihren Gesichtern.

Ihrem Mann war es peinlich und er schaute verlegen zur seite. Er hoffte auf ein Ende dieser absurden Komödie, doch das war nicht abzusehen. Immer mehr Menschen sammelten sich und beobachteten die beiden Gehenden.
“Vielleicht sollte man die Poliizei rufen”, raunte es in der Menschenmenge.
“Wahrscheinlich ist das eher ein Fall für die Psychatrie”, flüsterte ein anderer.
“Kann vielleicht mal irgendjemand erklären, was hier vor sich geht?” Ein ziemlich korpulenter Herr im Trägerhemd und ausgewaschenen kurzen Hosen drängte sich dazu. “Wie lange geht das denn schon so?”
Aufgeregt begannen alle durcheinander zu sprechen. Mittlerweile achteten sie nicht mehr auf die beiden Figuren, die noch immer hin und her gingen. Die Menschenansammlung war so in ihrer Ursachenforschung vertieft, dass sie gar nicht bemerken, dass die Schritte der Gehenden immer mehr wurden und sich der Abstand zu den Menschen erweiterte. Statt zwanzig Schritte vor, sind es schon mehr als fünzig. Zurück sind es weniger als zehn. Sie kamen langsam voran, doch sie kamen vorwärts.

Sie verfolgten ein gemeinsames Ziel.

Suche Urlaubsplatz

Veröffentlicht in Aktuelles by paradalis am April 28th, 2008

Ich habe mich entschieden.
Man sollte es nicht glauben, doch ich werde vom

20.07.2008 bis 25.07.2008
in den Urlaub fahren. Meine Wohnung wird in dieser Zeit untervermietet. Beziehungsweise freut sich mein jüngerer Bruder schon, dass er hier wohnen darf.

Der erste längere Urlaub seit dreizehn Jahren. Und obwohl es mir schwer fällt, meine Arbeit wirklich mal außer Reich- und Sichtweite zu bringen, werde ich es dieses Jahr durchziehen. :-)

Leider weiß ich noch nicht, wohin es geht. Meer wäre schön. Hotel wäre unschön. Denn schließlich fährt Attila mit.
Ich suche also eine Unterkunft am Meer. Für mich und meinen Hund. Fern ab der ganzen Touristenhochburgen.

Hat jemand einen guten Tipp für mich?
Danke, Ihr!!

Land unter

Veröffentlicht in Aktuelles by paradalis am April 23rd, 2008

… manchmal möchte man sich samt nahrungsmittelfischvorrat in die tiefe begeben. dahin, wo die haie nicht folgen und man endlich fliegen lernt.

kennt ihr das auch?
was unternehmt ihr dagegen?

Verbundenheit

Veröffentlicht in Aktuelles by paradalis am April 23rd, 2008

Vor einiger Zeit bin ich aus einer siebentausend Einwohnerstadt weggezogen. Sie wurde mir zu klein, ja fast schon zu piefig. Ich bin nicht weit gezogen, nur ca. 30 km entfernt in eine Großstadt mit 250 000 Einwohnern.
Meine Eltern und ein Bruder wohnen noch in O. Ebenso wie unzählige Bekannte, schließlich ist man dort aufgewachsen und jeder weiß über jeden Bescheid. So glaubt man zumindest.
Nach wie vor werde ich also telefonisch oder per mail über alle Geschehnisse in dieser Stadt informiert. Ich erfahre, wer erneut schwanger ist, endlich geheiratet hat (dies natürlich nicht ohne den Nachsatz: “Und du, Heike? Willst du nicht auch endlich heiraten?”, worauf meine Reaktionen Schweißausbrüche und Panikattacken sind,) und bekomme die Todesfälle sozusagen taufrisch serviert.
Die Todesanzeige meiner ehemaligen, noch nicht einmal fünfundfünzigjährigen Klassenlehrerin schockierte mich sehr. Erst kürzlich war sie bei unserem Klassentreffen anwesend. Zwar schon von der Krankheit gezeichnet, jedoch voller Mut und Zuversicht.

Nun. Gestern gaben ihr ca. 150 Trauergäste, meine Tochter und ich, das letzte Geleit.

Nicht zuletzt ein Anlass für meine Tochter (auch sie hatte Frau S. als Lehrerin) über ihre eventuelle, irgendwann in weiter Zukunft stattfindenden Bestattung, nachzudenken.

“Ich möchte, dass auf meiner Beerdigung niemand schwarz trägt!”, sagte sie mit Nachdruck.
“Und es sollen keine traurigen Lieder gespielt werden!”, führte sie fort. “Auch kann ich es nicht leiden, wenn dann alle auf dem Friedhof stehen und heulen. Wehe, du machst das, Mutti! Dann erscheine ich dir immer wieder!”

Ich konnte gar nichts dazu sagen. Denn ich hoffe von ganzem Herzen, dass meine Tochter ein langes, glückliches und zufriedenes Leben vor sich hat.

Meine verstorbene Lehrerin?

“Die Blümchen oben sind für Sie. Und ich öffne eine Flasche Prosecco und stoße auf Sie an. Denn ich bin sicher, dass Sie es so lieber haben, als an einer Krankheit elend langsam zugrunde zu gehen.”

Herr Dr. Richard Kehrencurh

Veröffentlicht in Aktuelles by paradalis am April 20th, 2008

- erschienen in “Pulsschläge”, 2006

Kennen Sie den Kehrencurh? Herrn Dr. Richard Kehrencurh?

Wissen Sie, wenn ich von ihm schreibe, und das mache ich wahrlich oft und zu jeder passenden und auch unpassenden Gelegenheit, bekomme ich ein warmes Gefühl in der Bauchgegend. Ich bin nicht verliebt in den Kehrencurh. Nein. Ganz und gar nicht. Zumindest gehe ich davon aus. Oder ich rede mir ein, das ich nicht verliebt in ihn bin. Das warme Strömen in der Bauchgegend hält bereits über Jahre an. Für manche meiner Bekannten und auch in meiner Familie stößt dieses langanhaltende Gefühl auf Missverständnis und Unfrieden. Dennoch lasse ich mich nicht irritieren. Ich lasse es einfach strömen.

Was könnte ich auch daran ändern. Richard und Ida waren schon seit Ewigkeiten ein Paar.

Kehrencurh ist ein alter Kritiker. Ein ständig und alles und jeden kritisierender Akademiker. Erregt er sich, schwillt die Ader an seiner Schläfe auf doppelte Größe an, und er wirkt ziemlich zornig.
Bevor er im deutschen Ordnungswidrigkeitsrecht promovierte, muss er ziemlich großzügig gewesen sein, wir mir seine Familie glaubhaft versicherte. Den Verlust seiner Großzügigkeit erlitt er eindeutig durch die Beschäftigung mit der Bürokratie. Seitdem schneidet man ihm Zugeständnisse wie Totgeburten aus einer schwangeren Stute. Alles kann man versuchen, er bleibt bei seiner ständigen Kritik, ganz gleich, um welches Theme es sich handelt.
Er kritisiert seine Schwestern, seine Mutter, seinen Vater. Er kritisiert die Politiker. Er kritisiert seine Liebste. Neulich kritisierte er sogar den Walnussbaum vor dem Haus, der ihm zu laut die Nüsse fallen ließ. Er kritisiert seinen Fußnagel, der sich aus unerfindlichen Gründen plötzlich blau färbte und sich selbst nach Ewigkeiten, so schien ihm, noch immer nicht gelöst hatte. Als er schließlich dem Nagel behilflich sein wollte und dazu mehr Zeit in Anspruch nahm, als er dieser Aktion zugestanden hatte, kritisierte er die stumpfe Schere, die ihn davon abhielt, sich anderen Geschehnissen zuzuwenden.
Seiner Liebsten beispielsweise. Sie war es, die neulich, beim üblichen Wochenendbesuch “Erika” in Kehrencurhs Wohnung brachte.
Kehrencurh staunte nicht schlecht, als er dieses, ganz in rosa gehüllte, mit einem tonvarbenen Hut versehene Etwas erblickte. Erikas Arme wirten riesig und er kritisierte die ganze Aufmachung. Das rosafarbene Ding passte so gar nicht zu seinen Wänden.
Was sollte Erika auch in seinen Räumen? Es war kein Platz für sie und es war völlig unklar, was sich seine Liebste dabei gedacht hatte. Erika wurde platziert und so wie sie saß, so saß sie. Nur ihre langen Arme wedelten ständig vor Kehrencurh herum und verhinderten sein kritisieren. Versperrten sie ihm doch die Sicht auf den mit Nüssen um sich werfenden Baum oder auch auf seinen, nun glücklicherweise entfernten Fußnagel. Überhaupt- seine Fußnägel! Meist nutzte er nicht einmal eine Schere, sondern knipste mit den Fingern so lange herum, bis nicht nur die Nägel an den Füßen, sondern auch die an den Fingern hinüber waren. Und auch diese Aktion wurde von lauter Kritik begleitet. Gerade so, also ob seine Fingernägel auch nicht mehr das waren, was sie sein sollten.

Nur selten wagt sich Kehrencurh aus seinen Räumen. Begibt er sich dennoch auf die Straße, geschehen wundersame Dinge. Einmal fiel ein Stein vom Himmel und verfehlte den Kehrencurh nur knapp. Natürlich kritisierte er die Fallgeschwindigkeit des Steines und erstellte eine Berechnung, nach der der Stein ihn getroffen hätte, wenn er nicht durch eine Kritik im TV aufgehalten worden wäre. (Im nachhinein stellte sich heraus, dass ein Arbeiter auf dem Dach des Hauses die Ursache war. Ihm glitt versehentlich ein Ziegel aus den Händen.)
Jedenfalls fiel der Stein vom Himmel und zwang Kehrencurh zurm innhalten. Er stand also auf dem Bürgersteig und betrachtete die vorüber eilenden Passanten. Fragen Sie mich bitte nicht, weshalb er nicht einfach über den Stein stieg und weiter seines Weges zog. Selbstverständlich kritisierte er, dass niemand den Stein entfernte. Er selbst konnte sich allerdings auch nicht dazu überwinden und blieb, wie vom Stein getroffen, regungslos stehen. Besonderes Augenmerk legte er, wie sollte es auch anders sein, auf die Damen, die seinen Weg kreuzten.
Kehrencurh brummelte unverständliches Zeug.
“Ich möchte mal wissen…..”

- fortsetzung folgt.

Cees Nooteboom

Veröffentlicht in Aktuelles by paradalis am April 18th, 2008

… manchmal, in merkwürdigen Momenten, treibt es mich zu “Allerseelen”. Ich kenne das Buch so gut, dass ich es ohne Hilfe zitieren könnte. Ich kenne es so gut, dass ich auf anhieb die Seiten finde, die zur jeweiligen Stimmung passen.

Auszug, Seite 22:

Arthur Daane mochte Menschen, die, wie er es ausdrückte -mehr als nur eine Person waren-, und ganz besonders, wenn diese verschiedenen Personen gegensätzlich zu sein schienen. In Victor wohnte eine ganze Gesellschaft unter einer Fassade vorgetäuschter Nonchalance. Ein Pianist, ein Bergsteiger, ein kühler Beobachter des menschlichen Tuns, ein wagnerianischer Dichter mit Blut und Feldherren, ein Bildhauer und ein Erschaffer äußerst rhetorischer Zeichnungen, die zuweilen nur aus wenigen Strichen bestanden und deren Titel, auch jetzt noch, offensichtlich etwas über den Krieg sagen wollten, der schon so lange verschwunden war.

Teuflische Liebe

Veröffentlicht in Aktuelles by paradalis am April 17th, 2008

heute morgen gegen zwei Uhr habe ich den Teufel kennengelernt.

Er hielt ein Seminar zum Thema “Schätze der Erde”. Das Ganze fand in einem Seminarraum unseres Firmenhotels statt. T. (Ich nenne ihn von nun an einfach: T.) war ca. 1,95 groß, 90 kg schwer und hatte sehr kurze Haare. Sein Anzug war nicht von der Stange, die Schuhe aus edlem Leder. Sein linkes Bein hielt er im Hintergrund.
T. begann also über Erze und ähnliches zu referieren. Dann verlegte er das Seminar nach draußen. Wir stiegen auf einen hohen Berg, ich war intensiv in ein Gespräch mit ihm vertieft. Als ich mich umschaute, bemerkte ich, dass uns keiner der ursprünglichen Teilnehmern mehr folgte.

T. sah mir tief in die Augen und begann sich zu entkleiden. Wie gebannt starrte ich in sein Gesicht, schließlich senkte ich meinen Blick. Er entblößte eine muskulöse, rasierte Brust.
Dann wandte er mir den Rücken zu und ein riesiges tattoo wurde sichtbar. Das Auge der tätowierten Gestalt auf seinem Körper bestand aus einem Edelstein und schien meinen Blick festhalten zu wollen. Es lebte.

Ich bekam Angst.

Allein mit dem Teufel auf einem Berg, dieser halbnackt. Was sollte das nur aussagen?


Glücklicherweise erwachte ich.
Ein schmerzhafter Migräneanfall hatte mich heimgesucht.

Spontane Telefonaufzeichnung

Veröffentlicht in Aktuelles by paradalis am April 16th, 2008

… soeben am telefon mit sabine:

Sie: “ich will ja nicht stören.”
Ich: “ach komm, ich mail dir jetzt mal ein Glas Wein rüber.”
Stille.

Anmerkung des Verfassers: Sabine kramt in ihrer Wohnung nach einer Flasche Wein. Wahrscheinlich ist die mail nicht angekommen. Blöder eins und eins server, ständig hängt dieses Ding.
Leider findet sie: “Nichts.” Stattdessen legt sie mich im Bad auf den Wannenrand, ohne daran zu denken, dass das Telefon nass werden könnte, hängt ihren Kopf unter die Dusche und wäscht zum dritten male in drei Tagen ihre Haare. Was treibt sie nur damit?

Ich: “Es kann doch nicht so schwer sein. Ich hätte gern einen Mann mit Hirn!”

Statt einer Antwort höre ich es plätschern und entferntes Murmeln. Sabine erzählt irgendetwas von einer Haarbürste, die nicht mehr in ihrem Besitz ist. Eine aus ihrer Familie hat sie mitgenommen. Nun wird sie nicht mehr Herr ihrer Haare. Ich warte noch immer auf einen zustimmenden Kommentar bezüglich meiner männlichen Hirnsuche. Doch ich glaube, da kommt nichts mehr. Denn Sabine murmelt abschließend:
“Geh lieber schlafen!” :-)

Spiegelzeichen

Veröffentlicht in Aktuelles by paradalis am April 15th, 2008

Am Tag, als ich außerhalb der mir selbst auferlegten Mauern die Krawalle hörte, zog ich mich noch mehr in das schützende Innere des Gebäudes zurück. Meine Illusionen und die gewählte Einsamkeit fanden hier neue Nahrung. Es störte mich nicht, dass die Räume im Dunkeln lagen, meine Augen hatten sich längst daran gewöhnt.
Damals, ich war noch am Leben, wurde es zur Notwendigkeit, tagtäglich meine Augen mit einer Sonnenbrille zu schützen. Alles Licht war mir zu grell.

Überall war dieses Licht. Es setzte sich in meinen Kopf und nahm mir die Möglichkeit zum Denken. Es saß in meinen Augenhöhlen und sah durch meine Augen, was immer es gerade sehen wollte. Es hockte in meinen Ohren, quoll daraus hervor, flüsterte mir von außen, von innen, von überall Dinge zu, die zu hören mir schwer fielen. Dinge, die mich verwirrten, die mich anders handeln ließen, als ich im grunde willens und fähig war. Es machte sich in meinen Hirnwindungen breit, beeinflusste das Denken und ließ es dann ins Nichts fallen. Das Nichts hinderte mich am essen, trinken, schlafen. Am Leben.
Als rotes und schwarzes Gebilde fiel es von meinem Kopf. Es lag in meinem Nacken und ruhte auf den Schultern. Es verhinderte jedwede Bewegung.
Das Licht war zu grell und meine schützende Brille zu durchsichtig.

Es verschaffte mir ein hässliches Gesicht.

Als ich noch am Leben war.

Rückzug

Veröffentlicht in Aktuelles by paradalis am April 14th, 2008

Es gibt einiges, das erledigt werden sollte.
Ich muss mich endlich wieder an das Manuskript setzen. Die Figuren neu ordnen, am Plot arbeiten, Farbe, Form und Gestaltung sortieren.
Es gibt Bücher zu lesen, die Balkonkästen müssen bepflanzt und meine Seele aufgeräumt werden.

Einen Besuch meines Lieblingskunsthändlers gibt es zu absolvieren, die “erneute Sitzung” beim Lieblingsmaler ist noch offen. Es ist interessant zu sehen, mit welchem Blick er mich betrachtet und schließlich mit Kohle auf Pergament zeichnet.

Freunde rufen an und fragen, wann ich mich endlich wieder ein paar Tage frei machen kann.

Und ein Espresso steht noch aus. Einen, den ich mit dem Mann, an den ich immer denke, wenn es über dem Dach meines Schlafzimmers hagelt, stürmt und schneit, genießen werde.

Ich?
Was möchte ich?
Was möchte ich im Ganzen?

Rückzug.