Archiv für Juni 2008

29
Jun
08

IV Ducati Verdi/Schluss I/ C.B.

-Bildquelle leider nicht bekannt

Ha ha. Und ich erwachte und hatte vier Frauen im Zimmer. Und die davon übrig blieb, war eine kleine Katze, die durchs Zimmer pfiff. Ich sah mich von drei Betten umgeben, in einer Waldhütte am Rand, ein Verhau, in das es gehörig hinein regnete. Das Gründstück fiel zum Wasser hinunter und durch die Bäume glitzerte der See, in dem wir im Sommer zu nachtschlafener Zeit gebadet hatten, unter einem strömenden Feuerwerksregen, während vom Himmel die Regentropfen auf unsere Körper fielen und ein Feuerwerk den ganzen See ausleuchtete und man Lena zwischen den Leuchtstäben das Wasser besteigen sah mit einem glucksenden und jubelnden Getöse. Nackt und schamlos.
Wie von Öl gezeichnet, bestieg sie das Wasser, in dem ich mich befand und die Frauen sich meiner annahmen, wie das Feuerwerk dem Wasser.
Unter dem Leuchten türmten sich ihre buschigen Haare und ihr vorgestreckter Hals über meinen Kopf und sie schimmerte in ihrem Lächeln, als wollte sie sich nicht mehr beherrschen und als ich meine Hand auf ihren Hals legte, verrutschte unsere Bettdecke. Im NebenWasserbett schliefen die anderen, über die Monate im Netz herbeigeschrieben mit der Mühe meiner Schreiblust. Sie lagen etwas in Starre. Schauten zu, wie Lena unter ihren Haaren sich meiner ermächtigte. Was hast du gelacht, die Weite als Gewand über mich ausgebreitet, als weiterer Hinweis darauf, dass wir aufeinander eingestimmt waren zum ineinander hineingehen und verschwinden.
Sie war ein Leib, ein Einschneiden, ein Hingleiten, ein Laken, ein Tuch, eine Wand aus Haut und Bewegung, sie strömte über mich und nahm mich mit, und als ich erwachte, waren sie eine weitere Marlene, immerzu hier. Besteigen sie mich, seien sie nicht gar so verhalten, mit diesem leichten Lächeln, das in mir verschwand.

Und dann schaute ich in meinen Briefkasten und da lag Post von Julia. Noch nie war sie so wortreich. Noch nie war sie so umfangreich und gleichzeitig kostete sie mich so viel Zeit. Denn sie schickte mir eine Anlage. Eine sogenannte aha – datei. Diese aha- datei hatte einen Anhang mit den Buchstaben pff. So als pfiffe da jemand. Pff. Schon war mir klar, dass all meine Computerfähigkeiten verlangt waren, dieses Pff zu öffnen. Ich tanzte also die nächsten Minuten meines Lebens durch sämtliche softwareprodukte. Und dieses Pff blieb ein echt Pfarrerfriesisches Geheimnis. Echt nicht zu lüften. Welchen scanner hatte sie wohl auf der anderen Seite in Gang gesetzt? Die Datei wirkte, als habe sie vor Durchgang im Netz einen Staubsauger gesehen, was nicht im Sinne des Bildes sein konnte.

Es blieb mir nichts anderes übrig, als das Bild noch einmal anzufordern…

(fortsetzung folgt. vielleicht.)
:-)

24
Jun
08

III Ducati Verdi/Schluss/C.B.

STOP!

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Nun halte bitte nicht die Luft an, Marlene, aber ich muss gestehen, es kam über mich. Wir sahen uns, und wir fielen übereinander her. Ist das richtig formuliert? Nein, natürlich ist das nicht richtig formuliert. Es geschah etwas anderes.
Ich versuche mich zu erinnern.
Sie hat mich überrascht.

Nachdem ich in meiner Wohnung stundenlang auf und abgegangen war und nachdem ich zur Sicherheit alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen hatte, überraschte sie mich. Denn plötzlich klingelte es an der Tür. Sie hatte schon am Telefon gesagt, dass sie von mir erwarte, dass ich sie in meine Arme nehme. Und ich hatte mich ans Fenster gestellt, in der Hoffnung, dass ich sie wenigstens noch den Hof überqueren sehen konnte, nachdem ich ihr an der Haupttür Einlass gewährte, und da klingelte es bereits an meiner Wohnungstür. Sie hatte mir also nicht die Möglichkeit gelassen, sie den Hof überqueren zu sehen. Ich wollte sie jedoch den Hof überqueren sehen, damit ich mich innerlich darauf einstellen konnte, wen ich da in den Arm zu nehmen habe. Und da klingelte es schon an der Tür. Sie hat mich also überrascht und alle meine Sicherheitsvorkehrungen halfen nur bis zu dem Moment, da sie an der Tür klingelte. Ich hatte soeben noch Zeit, die Gläser und Teller, die ich zur Abwechslung von einer Seite der Küche auf die andere Seite der Küche verschob, einfach mitten auf den Tisch abzustellen und dann schritt ich zur Tür.
Ich schritt mit schweren Schritten zur Tür.
Ich öffnete die Tür.
Und dann geschah das, was ich seit langem nicht mehr erlebt habe.
Ich sah Marlene mit einer Tasche in ihren Händen da einfach vor meiner Tür stehen. Sie stand da und lachte mich an. Sie lachte mich an, als käme sie einfach nur von einer langen Reise nach Hause. Sie stand dort mit ihrer Tasche, die auf eine lange Reise hindeutete, und sie kam direkt auf mich zu. Und in dem Moment, da sie direkt auf mich zukam, hatte ich gar keine andere Wahl, als meine Hände zu ihrem Kopf zu führen, und meine Hände führten direkt an ihr Gesicht. Und mein Oberkörper neigte sich direkt in ihre Arme. Und wir umarmten uns, als käme sie von einer langen Reise nach Hause. Und ich spürte, wie ich sie umarmte und solange wir uns da umarmten, war es, als habe ich auf nichts anderes gewartet. Marlene stand plötzlich wie selbstverständlich unmittelbar vor mir und dann nahm ich ihre Tasche und stellte sie ab. Und nachdem ich ihre Tasche abgestellt hatte, umarmten wir uns noch einmal.
Kurz und unmissverständlich.
Du kommst jetzt nach Hause.

Und weil du solange weg warst, musstest du dich erst einmal der neuen Situation anpassen und indem du dann von der Küche in das Zimmer mit dem inzwischen wieder erkalteten Bett gingst, führte ich dich noch weiter in das nächste Zimmer mit den Monitoren und nachdem auch dieses Zimmer so aussah, wie es schon immer ausgesehen hatte und du dich dessen vergewissern konntest, standen wir plötzlich wieder in dem Zimmer, wo das Bett inzwischen erkaltet war.
Ich sah dich das Bett erklimmen und dann sah ich mich auf einem Sessel Platz nehmen und dann schauten wir uns an und ich stieß einen Seufzer aus und ich fragte: Bist du überrascht? Und du sagtest erst einmal nichts. Und? Wiederholte ich meine Frage. Geht es denn, kommst du zurecht mit meinem Anblick, oder bist du geschockt? Nein, sagtest du, es geht. Und ich sagte: und kann ich dir etwas anbieten? Was kann ich dir anbieten? Und du sagtest: nein.
Dann sah ich dich lächeln und du rücktest einfach mit deinen Beinen zwischen meine Beine und so spürte ich die Wärme deiner Beine einfach meine Beine hinaufwandern und dann nahm ich meine Hand und stupste dich leicht auf der Nase. Und dann sahst du mich an.
Und ich sah in deine Augen und es war mir, als würden deine Augen doppelt so groß sein wie meine. Und wir sahen uns an. Und ich sah um deinen Mund ein ganz leichtes Zucken und aus deinen Augen sah mich eine Vertraulichkeit an, es war eine angenehme Vertrautheit, die sich als Wärme der Beine an meine Beine schmiegte und die sich als Augenblick zwischen unseren Augen entwickelte und dann neigte ich meinen Kopf zu deinem Kopf und es war so einfach wie vor Jahren zuletzt, meine Lippen einfach auf deine zu legen und dann lagen meine Lippen einfach auf deinen und währenddessen schauten wir uns einfach nur an.
Ich schaute in weit aufgerissene Augen und die Augen, die mich anschauten, zuckten ganz leicht und das Zucken um deine Lippen zuckte um meine Lippen und ich spürte deine Hände sich warm auf meinen Rücken legen und dann war es mir, als fielen wir gleich übereinander her.
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Du hast dich einfach auf mich gesetzt.
Ich spürte meine Beine erbeben und ich spürte mich zwischen den Beinen Gestalt annehmen und ich spürte deine warmen Hände sich auf meinen Rücken legen und dann fielen wir endlich übereinander her.

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I Want To Know What Love Is

23
Jun
08

II Ducati Verdi/Fortsetzung/C.B.

Ich zog zur Abwechslung den Stecker.

Wir saßen zur Abwechslung am See und hörten, wie Frösche sich in Mücken verwandelten. Wir waren plötzlich erheitert. Es gab noch den Hinweis, ich sei durchgeknallt. Oder eigentlich war ich ok. Und wenn ich es mir recht überlege, so brauche ich nichts mehr zu sagen, denn eigentlich war alles gesagt, dachte ich und weil alles gesagt war, fühlte ich, dass es gut war.
Als ich begann, die Vergangenheitsform zu artikulieren, wurde mir bewusst, dass es auch noch ein “Da Vorne” gab. Die Fortsetzung war möglich, aber ebenso gefährdet und da ich es mir abgewöhnt hatte, hinter jedem Gespenst ein weiteres zu sehen, wiederholte ich zur Abwechslung meinen Gedanken. Ich habe etwas erlebt, was ich noch nie erlebt habe. Und diese Schönheit nahm in mir Raum ein.

Das war der Text, den ich der Allgemeinheit zur Verfügung stellte. Der wirkliche Text lautete ganz anders. Der wirkliche Text war eine Mischung aus Hitze und Lust.

 

… fortsetzung folgt …

23
Jun
08

I Ducati Verdi/Fortsetzung/C.B.

samstag 17:02 uhr

und plötzlich wurde ich mir sicher, dass ich zur Sicherheit nichts hätte unternehmen sollen. Die CD`s, die ich da auflegte, klangen plötzlich wie Punk. Ey, help me, das geht alles schief hier. Das wird so ein Flopp, oh weh, kein Wunder, dass ich keine Frau habe. Wenn man am ersten Tag schon stiften geht. Ich glaube, ich verlasse zur Sicherheit meine Wohnung. Soll sie doch klingeln. Sie kann ja den Nachbarn fragen …
Oder soll ich mich auf die Straße stellen? Nee, das sieht mit Sicherheit trottelig aus. Obwohl. Ich könnte ja zufällig da rumstehen. Da klingelt es wirklich.

samstag 17:09 uhr

Fehlalarm. Das war nur die Werbung. Ich zog also zur Sicherheit meine Schuhe an. Und ich drehte zur Sicherheit die Musik runter. Und ich ging zur Sicherheit im Zimmer auf und ab. Und ich fühlte mich auch jetzt wieder nicht sicherer. Scheiss Fernsehen. Scheiss Klingel. Ich geh jetzt gleich runter.
Ich geh jetzt zur Sicherheit vor die Tür und damit ist mit Sicherheit noch nicht das letzte Wort gesprochen. Ping. Ich habs geschafft. Soweit war ich vor 24 Stunden noch nicht. Hoffentlich gibt es noch Parkplätze. Ich geh mal raus und mach zur Sicherheit ein paar Parkplätze frei.

samstag 17:16 uhr

Schon fünfzehn Minuten über die Zeit. Ich schaute zur Sicherheit aus dem Fenster. Da flog eine JU ist das die 45 über die Stadt. Sitzt sie etwa jetzt da drin, nein, das ist vollkommener Stuss. Ich öffnete wieder das Fenster. Ich trank eine Flasche Wasser. Hab ich noch genug Wasser? Hm. Und draußen fing es mit Sicherheit an zu regnen. Und ich bastelte mir noch eine Zigarette. Aber ich durfte nicht mehr rauchen, mein Kopf war doch schon rosa, gleich wird er platzen, wenn ich noch eine rauche. Ich darf also zur Sicherheit keine mehr rauchen. Ich rauche trotzdem noch eine. Wann geht´s denn nun los?

samstag 17:20 uhr

Immer noch nix. Ich stieß noch einmal Luft auf. Ein letztes Mal.

samstag 17:25 uhr

Ich bin ganz ruhig. Nein ich bin nicht ruhig. Doch du bist ganz ruhig. Nein. Doch nicht? Doch. Ganz ruhig. Ich suchte zur Sicherheit den Verkehrsfunk. Ich bin ganz ruhig. Im Fernsehen fahren sie immer noch Fahrrad. Ich denke, sie spielen heute Fußball. Ich wechselte zur Sicherheit das Programm. Sie wollte doch einen Film sehen. Und ich habe den Film gar nicht besorgt. Es kann doch nicht sein, dass ich den Film nicht besorgt habe. Doch, ich habe den Film nicht besorgt. Ich habe vergessen, den Film zu besorgen. Ich setzte mich aufrecht. Ich atmete durch. Und als ich fertig war mit Durchatmen stand ich auf. Ich werde jetzt zur Sicherheit rausgehen. Aber dann höre ich nicht, wenn das Telefon klingelt. Das Telefon klingelt bestimmt, bevor es an der Tür klingelt. Und wehe, es klingelt noch mal die Werbung.

samstag 17:30 uhr

Das regt mich zu sehr auf jetzt.
Ich muss das hier aufhören. Ich halte das nicht mehr auf. Statt mich zu beruhigen, werde ich immer unruhiger. Schon dreißig Minuten über die Zeit. Ich geh jetzt zur Sicherheit OFF. Ich werde jetzt einfach OFF sein. Wo steckt sie denn jetzt? Sie wird doch wohl nicht umgekehrt sein? Im ZDF spielen sie Fußball.
Meine Hände.
Meine Hände.
Siehst Du nicht, dass ich Hände habe?

… fortsetzung folgt …

22
Jun
08

Also gut. Beginnen wir am Anfang.

Ducati Verdi

Von Date zu Date
Wieder stand sie bevor, die Ernüchterung bei fortwährendem Knall.

C.B.

samstag 11:57 uhr

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Wenn alles gut geht und kein Stau auf der Autobahn vorlag, war sie in fünf Stunden hier.

samstag 13:36 uhr

Gleißende Sonne lege dich auf mich, ich legte mich auf den Rücken, eine Rückenwand aus Erinnerungen, während sich die Bidler bewegten und im Hintergrund legte sich ein weitgehendes Rauschen durch meine Ohren. Ich ging einkaufen. Yoghurt. Schokolade. Milch. Noch mehr Yoghurt. Zur Not erschien im Fernsehen der DFB Pokal.

samstag 14:36 uhr

hörte ich, sie fährt erst in einer Stunde los. Das konnte also noch Ewigkeiten dauern. Ich beschäftigte mich mit Tünneff. Studierte Bananenpreise und kratzte den Schorf von meiner Tastatur. Vergeblich suchte ich nach poetischen Ansätzen, dem Gespenst Herr zu werden. Ich hatte schon einmal vergeblich auf eine Frau gewartet und fraß mich durch meine Vorräte. Kann man in drei Stunden zwei Kilo zunehmen? Ich fühlte mich plötzlich ganz fett an.

samstag 15:03 uhr

wurde mir per Messi angeraten, der authentischen Vermittlung wegen, bitteschön alles im Präsenz zu schreiben. Also hier ich. Warte. Und beschäftige mich mit Tünneff. War ich schon durcheinander?

samstag 15:08 uhr

Jetzt ungefähr fuhr sie wohl los. Ich hatte in der Aufregung ganz vergessen, ihr meine Handy Nummer zu übermitteln. Und ihre Handy Nummer hatte ich auch nicht. Oh Oh. Ich ging mit meinen Fingern noch einmal über die Landkarten und nahm einen Stundenkilometer/Durchschnitt von 130km/h. Das sollte also reichen, das Finale zwischen Leverkusen und Schalke noch verfolgen zu können. Hm.

samstag 16:17 uhr

Komisch.
Ich schloss zur Sicherheit schon mal das Fenster. Ich legte zur Sicherheit schon mal das Bett warm. Ich fraß zur Sicherheit ne Tüte Chips. Ich legte zur Sicherheit ne CD auf. Ich guckte zur Sicherheit schon mal Fernsehen. Ich öffnete zur Sicherheit das Fenster. Da klingelte zur Sicherheit das Telefon. Ich steh im Stau, hieß es da. Noch dreihundert Kilometer. Ich ging zur Sicherheit noch mal einkaufen. Worüber wird sie sich wohl freuen?
Stop. Da klingelte es wieder. Ich höre. Ja. Ach ja. Ich legte zur Sicherheit wieder auf. Ich weiß auch nicht. Ich beruhigte zur Sicherheit meine Nerven, indem ich mich zur Sicherheit in Sicherheit wähnte. Sicher fühhlte ich mich nicht. Ich schloss zur Sicherheit das Fenster.

samstag 16:34 uhr

Sie hört wahrscheinlich gerade heavy metal

samstag 16:56 uhr

Sie war für 17.00 Uhr angekündigt und ich wusste nichts mehr. Im Fernsehen fuhren sie den Prolog für den Giro d’ Italia und das sah aus, als fuhren sie in Berlin umher. Alles fand in Berlin statt zur Zeit, so schien es. Ich bildete mir was ein und jede weitere Minute würde darüber entscheiden, ob ich mich wieder zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte. Ich schloss also zur Sicherheit ein weiteres Fenster. Mein Kopf war etwas angeschlagen und leuchtete rötlich. Natürlich war ich immer noch zu fett. Da nützten auch die Liegestütze nichts, die ich zur Sicherheit vollführte. Da. Klingelte es. Klingelt es da? Oh man, ey. Wer holt mich hier raus?

—-

… fortsetzung folgt …

20
Jun
08

Unsichtbarkeit

Bitte schildern Sie, was Sie zu erkennen glauben.
(oder füllen Sie das leere Blatt mit Ihren Gedanken)
:-)

Es gibt verschiedene Arten der Unsichtbarkeit. Zwei begegneten mir gestern bei meinem Einkauf.

Mann und Frau, beide so um die Vierzig, betreten vor mir den Einkaufsmarkt. Sie eine etwas korpulente Person, aber auch sehr groß, er von einer markanten Ausstrahlung und ebenfalls ca. 1,90. Sie schiebt den Einkaufswagen und er läuft nebenher. Irgendetwas brachte mich dazu nicht wie üblich durch das Geschäft zu rennen, schnell nach links und rechts zu fassen und zur Kasse zu eilen, sondern ganz ruhig hinter dem Paar herzugehen.
Ich kam mir vor wie ihr Schatten. Ihr Unsichtbarer, natürlich. Blieben sie stehen, stand ich auch. Prüften Sie das Obst auf Frischegrad, kostete ich eine Kirsche.
Aufschlussreicher jedoch war, dass Mann und Frau, jeder für sich, unsichtbar waren. Die Frau plapperte, sobald sie den Markt betrat (wahrscheinlich auch schon vorher, doch da stand ich noch nicht hinter ihr) ohne Unterlass. Nicht laut und aufdringlich. Eher so vor sich hin. Sie erzählte von der Arbeit, den Freunden, dem Einkauf, den Vorhaben usw. in einem gleichbleibenden Tonfall. Sie erwartete auch gar keine Antwort von ihrem Mann, der neben ihr herlief. Seine unbewegte Miene deutete darauf hin, dass er diesen Wortschwall gewohnt war, entweder hatte er all das schon millionenmale gehört oder es interessierte ihn schlichtweg nicht. Ab und an drehte die Frau dann doch ihren Kopf zum Mann und fragte halbherzig: „und?“, er sagte: „He?“, sie drehte sich wieder weg und plapperte weiter.

Ich erhoffte mir während den gesamten zwanzig Minuten, die ich in der Kaufhalle zubrachte, irgendeine Reaktion von diesen Menschen, die doch durch ihre äußere Erscheinung auffielen. Vergebens. Selbst an der Kasse, als ich hinter ihnen stand, plapperte die Frau noch immer, hörte das freundliche „Guten Tag“ der Kassiererin gar nicht, bezahlte und verließ plappernd das Geschäft.

Was ist das also, das solche Paare zueinander finden lässt, wenn sie doch, jeder für sich, unsichtbar sind?

14
Jun
08

Wie Paul Janeck seine Frau verlor

Bildquelle unbekannt

Paul Janeck verlor seine Frau, als er ein Insekt, das von eben dieser Frau bereits mehrere Stunden lautlos beobachtet wurde, einfach in die Freiheit schickte. Er öffnete ohne nachzudenken das Fenster und nahm seiner Frau die Beschäftigung, der sie sich seit dem frühen Morgen hingab.

Begonnen hatte es folgendermaßen:
Paul Janeck schlief noch neben seiner Frau, als sie die Bewegungen an der glatten Glasscheibe verfolgte. Das Insekt kroch am Glas hoch und rutsche herunter. Es versuchte es erneut, blieb kleben, putzte mit den Beinen seinen Körper, legte wohl auch Eier ab und begann weiter zu kriechen. Eine schmale Schleimspur zeigte an, dass sich das Insekt schon geraume Zeit an der Scheibe befand.
Paul J. röchelte und stöhnte leicht im Schlaf, als spürte er etwas von den Gedanken, die das Insekt seiner Frau suggerierten.
Paul Janecks Frau Hannah überlegte, das Insekt zu fangen und es in Pauls Nase zu stopfen, aus denen büschelweise Haare wuchsen. Es könnte sich an den bebenden Nasenflügeln ein Nest bauen, seine Nachkommen hinterlassen und ab und an ins Freie fliegen.
Paul J. würde niesen müssen, oder vielleicht erschlug er das Insekt auch. Vielleicht aber bemerkte er den Vorgang gar nicht.
Jedenfalls stand für Hannah an diesem Morgen fest, dass sie Paul verlassen würde.
So geschah es dann auch im späteren Verlauf des Tages. Ein weiterer Grund, der Hannah in ihrem Vorhaben bestärkte, war die Tüte.

Nicht erst seit Pauls Verrat trug seine Frau die Tüte mit sich herum. Hätte sie diese nur nie an sich genommen. Als Paul Hannah nicht mehr beachtete, stahl sie ihm die Tüte. Aber was sollte sie damit anfangen? Sie könnte sie der Müllverbrennungsanlage übergeben, beispielsweise. Daran musste sie täglich vorbei, auf dem Weg zum Büro. Selbst die Klappe der Anlage hatte sie schon geöffnet, im letzten Moment beschloss sie, die Tüte nicht in den Schacht zu werfen.
Hannah stopfte also die Tüte in ihre große braune Tasche, ein großes eckiges Ungetüm, in das man alles stopfen kann, wovon man ausgeht, dass man es jemals brauchen könne und das man dann doch jahrelang nicht benötigt.
Natürlich konnte so ein Lederding auch peinlich werden.
Einmal, sie erzählte mir davon, stolperte sie und die Tasche glitt ihr vom Arm. Der Inhalt ergoss sich mitten in die Menschenmenge, in der sie sich bezüglich ihrer Studien aufhielt. Natürlich sind es gerade diese Momente, in denen die Menschen aufmerksam sind.
Die Tasche fiel und alle Anwesenden bückten sich und krochen übereifrig auf dem Boden umher, um etwas vom Inhalt der Tasche zu erspähen. Möglicherweise stahlen sie dabei auch Buchstaben aus der Tüte. Hannah ist sich bis heute nicht sicher. Sicher ist jedoch, dass sich die Tüte merkwürdig leicht anfühlte, als sie sie in der Ledertasche verstaute. Hannah hat ja diese kleine Frau mit dem stechenden Blick in Verdacht. Die fiel ihr gleich auf, schon bevor die Ledertasche vom Arm glitt.
Es war so eine auf den ersten Blick anmaßende Frau, die ihre fehlende Körpergröße wahrscheinlich durch den stechenden Gesichtsausdruck wettmachen wollte. Oder es war der bärtige Mann.
Sie misstraute schon immer Männern mit Haaren im Gesicht.

Das mit den Buchstaben war auffällig. Seit Hannah die Tüte bei sich hatte, die ihr im Grunde nicht gehörte, die sie auch gern los werden wollte, von der sie sich aber aus unerfindlichen Gründen einfach nicht trennen konnte, geschahen merkwürdige Dinge. Die Buchstaben belästigten sie mit Worten, die sie gar nicht hören mochte. Gegen die sie sich nicht zur Wehr setzen konnte, so sehr sie sich auch bemühte. Gesagt ist gesagt. Gelesen ist gelesen. Punkt.
Manchmal hatte Hannah sogar das Gefühl, von Buchstaben getötet zu werden.
Das Z beispielsweise stößt gleich drei Messerstiche mitten ins Herz.
Oder nehmen wir das A.
A wie Anfang, Aufforderung, ausbaufähig?
Wie trügerisch. Zwei Linien aneinander gelehnt, durch eine weitere miteinander verbunden. Bläst der Wind von vorn, kippt es nach hinten. Geht ein Lüftchen von hinten, fällt es haltlos vornüber.
Hannah könnte endlos fortführen, es würde sich nichts daran ändern, dass sie in jedem Buchstaben einen Verrat entdeckte.
B wie Betrug, den ihr Paul mit seiner absichtlich oder versehentlich liegengelassenen Buchstabentüte antat.
Sie hatte noch nie einen Mann an Buchstaben verloren. Noch nie. Diese krakeligen Dinger? Was wollte Paul nur damit.
Wühlte sie in der Tüte entstand vor ihrem Auge die Vision eines nebulösen Textwesens, nach dem sich Paul sehnte. Auf dessen Spuren er wandelte, immer im Bemühen, einen Schritt zurück zu bleiben um es nicht zu demaskieren. Mit Realität hatte Paul wohl nicht viel im Sinn. Wie sonst war zu erklären, dass Paul Janeck seiner Frau nicht einmal ein Insekt gönnte?
Er öffnete das Fenster, das Insekt flog in die Freiheit und Hannah schleppt seitdem eine Tüte mit sich herum.

Mir ist nicht bekannt, wie Hannah die Situation mit Paul Janeck klärte. Wir sprachen nicht mehr über das Insekt oder diesen Mann.
Die Tüte endlich loszuwerden wurde zum Hauptanliegen.
Und so kam sie in meinen Besitz. Hannah übergab sie mir zur Aufbewahrung.

Nur, was soll ich nun damit anfangen?

11
Jun
08

Die Neonröhre

… röhrt leise dazu …

„Manchmal gab es das, ein Licht, das alles straffgespannt aussehen ließ und den Eindruck erweckte, der Himmel könnte zersplittern wie Kristall.“

aus:
Allerseelen
Cees Nooteboom

09
Jun
08

Hirnstromrätsel

 

 
Bildquelle unbekannt

Glaubt man dem Elektroenzephalogramm, das soeben taufrisch angefertigt wurde, bin ich kerngesund.
Keine Anzeichen von Migräne, nichts. Zumindest kann man die Migräne nicht auf irgendwelche messbaren Störungen zurückführen.
Es entstand eine Bilderbuchkurve.
Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass die Ursache für diese perfekte Aufzeichnung darin zu finden ist, dass es mich immer einschläfert, wenn eine Person mit meinem Kopf beschäftigt ist. Das kann beispielsweise auch der Friseur sein, der mir die Haare wäscht und kämmt.
Bereits während der Vorbereitungen war ich mehrmals kurz davor, zur Seite wegzufallen und einfach einzuschlafen. Die Schwester fummelte und fummelte, fädelte eine Haarsträhne nach der anderen zurecht und klemmte Elektroden fest. Diese Dinger auf meinem Kopf, dazu das zwanzigminütige Gefühl, leichte elektrische Strömungen zu spüren, lösten ein weiteres Schlafbedürfnis aus.
Das ist natürlich nicht hilfreich, denn laut EEG sind keine Ursachen für Migräne feststellbar.
Ich bin also ein völlig entspannter, harmonischer, stimmungsresistenter Mensch.
Fein, nicht?

Nun, die unzähligen Medikamente, sowie intravenösen Gaben sprechen eine andere deutliche Sprache. Und so werden die Mediziner noch eine ganze Weile damit beschäftigt sein.

05
Jun
08

WeiberFreundschaft

da schauen zwei alte weiber millionen kilometer entfernt voneinander diese blöde dämliche modelsendung und die eine, ja, ich meine dich SABINE! sagt zur anderen, also zu mir, als sie diesen idiotischen rückblick der „gefallenen“ models verfolgt: „Schau mal, was aus denen geworden ist. Ob man das aus dir auch machen kann?“

Danke.
Sabine.

:-/




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