Archiv für Juli 2008

24
Jul
08

Stimmungen

-Bildquelle leider nicht bekannt

… manchmal denke ich beim Morgenkaffee über Stimmungen nach.

Normalerweise habe ich dafür keine Zeit, der Alltag fordert meist seinen Tribut, derzeit habe ich jedoch zwei Tage „Urlaub“. Statt mich meiner endlich fertig zustellenden Steuererklärung zu widmen, vertrödle ich also lieber die Zeit mit Stimmungen.

Ich kann gar nicht sagen, weshalb ich ein ungutes Gefühl in der Magengegend habe. Großartige Veränderungen gibt es noch nicht und da ich ein zögerlicher Mensch bin, mache ich eher drei Schritte zurück, als einen vor, wenn ich bemerke, dass etwas „unschönes“ im Raum liegt. Mir fehlt beispielsweise der Mut meiner Freundin.
Das ist jedoch nichts Neues und auch nichts Ungewöhnliches. Daran bin ich gewohnt.
Vielleicht ist es gerade das, was mich diese Zeilen schreiben lässt. Wahrscheinlich bin ich nicht geschaffen, für diese Spiele um „Lust, Liebe und Leid“. Es ist mir zu anstrengend, mich um „ungelegte Eier“ zu sorgen oder „Zeichen zu deuten“, ganz gleich, in welche Richtung diese auch gehen.
Das Spiel beherrsche ich nicht und ich bin klug genug, mich dann zurück zu ziehen. Vielleicht ist es auch weniger Klugheit, sondern eher Bequemlichkeit? Eventuell erwarte ich zuviel Anstand? Gegenseitige Achtung? Oder es ist die Angst vor Verletzungen? Meine Freundin ist ebenso klug, sie geht jedoch in diesen Dingen anders vor. Geht sie das? Oder denke ich das nur?

Vielleicht schaue ich den Protagonisten etwas aus der Ferne zu. Belächle das eine oder andere oder ärgere mich auch meinetwegen ein ganz klein wenig. Kann ich etwas gar nicht ersehen, lege ich einfach meine Handinnenflächen auf die geschlossenen Augen und denke mich ganz weit weg.
Zurück in die Kindheit, vielleicht.
Lächerlich?
Das ist mir gleich.
Es gibt schlimmeres, das im Alltag bewältigt werden muss. Da ist die Rückkehr in kindliches Verhalten durchaus entschuldbar. Alles ist entschuldbar, wenn man nur keinen ernsthaften Schaden an Stimmungen nimmt.

Meint Ihr nicht auch?

-

In meinem Schneckenhaus.

20
Jul
08

Feiglinge

Ich glaube, mein Hund ist ein Feigling. Da sollte man doch annehmen, dass er sein Frauchen vor allem bösen Ungemach beschützt. Aber nein. Kaum hagelt und gewittert es mal ein wenig stärker, sitzt er ebenso zitternd in der Wohnung wie das Frauchen selbst.
Gut, dass die Telefone heutzutage so ausgerichtet sind, dass man trotz Gewitter telefonieren kann und zumindest von seinem Gegenüber am anderen Ende der Strippe ein wenig Trost erhält.
:-)

Nun – heute morgen scheint wieder die Sonne, Hund und Frauchen sonnen sich auf dem Balkon und alles ist wieder gut.

18
Jul
08

Ahnengalerie

Und dann ist da noch meine „Ahnengalerie“…

Eine interessante Geschichte. In jedem dieser Menschen steckt ein ganzes Leben voller Ereignisse. Die Überlieferungen sind mit Sicherheit nicht immer ganz wahrheitsgemäß. Doch das macht nichts. Spannend ist es allemal. Einige der noch Lebenden berichten ab und an darüber. Und ich hoffe, ich finde die Zeit zum schreiben.

-

18
Jul
08

Die Schlafende

Seit einiger Zeit hängt Picassos Schlafende in meinem Wohnzimmer.
Direkt gegenüber steht mein Sessel, in dem man in jedweder Haltung bequem sitzt. Nur- seitdem sie da an der Wand ist, sitze ich nicht lange. Sobald ich auf sie schaue, überfällt mich die Müdigkeit.
Die paar Schritte zur Couch sind schnell getan. Unter ihr liegend fühle ich mich, als ob ich es ihr gleich tue und endlich zur wohlverdienten Entspannung finde.

Das nenne ich einen „gekonnten“ Kauf.
Dafür verzichte ich auch schon gern mal auf den Urlaub.

12
Jul
08

Freilaufende Rindviecher

– Hier stand zuvor ein Text, der jetzt nicht mehr hier ist. Das hat seinen Grund …
:-)

Schließlich erfuhr ich die Ursache für den ziemlich tief fliegenden Hubschrauber.
Genaueres zum aktuellen Geschehen hier:

Ochsenjagd

Bis jetzt konnten die entlaufenen Rindviecher noch immer nicht betäubt und eingefangen werden. Was geschieht, wenn sie im Wald verwildern? Sich gar mit dem vorhandenen Wild paaren?
:-)

… und ich glaube, ich sollte derzeit doch lieber nicht im Zeisigwald spazieren gehen …

05
Jul
08

Das Haus der lebenden Toten

-Bildquelle leider nicht bekannt

 

Da sitzen sie also. Verwachsen mit ihren Stühlen. Die Köpfe gehen nach rechts. Nach links. Die Münder kleben an den Ohren des Nachbarn. Hält einer der lebenden Toten eine Kamera in die Höhe, setzt sich ein besonders gut erhaltenes weibliches Exemplar aufrecht und verfällt in einen todesähnlichen Schlaf. Erst wenn die Kamera verstaut ist, sieht man sie ihren Mund an ein weiteres Ohr heften. Später tanzt sie. Sie fühlt sich allein auf der Tanzfläche. Sie fühlt sich gut dabei. Sie fühlt sich noch besser, als die Kamera erneut auf sie gerichtet wird. Ihr Körper schwingt. Die Brüste beben im Takt der Musik. Die Hüfte schiebt sich nach vorn. Ihre Stiefel öffnen sich. Sie bückt sich nach unten, um sie zu schließen. Dabei bewegt sich ihr Hintern aufreizend. Sie verzieht keine Miene. Die Jungen schauen hin und wie ertappt wieder weg.

Manche der lebenden Toten wackeln so heftig mit ihren Köpfen, dass ich jeden Moment befürchte, sie würden vom Hals auf den Tisch fallen, ein wenig hin und her rollen und schließlich auf den Boden kullern.
Es ist wie in der Schulzeit. Die Mädchen sitzen sich am hinteren Ende des Tisches gegenüber, die Jungen auf der anderen Seite. Alle Plätze sind belegt, eng auf Tuchfühlung bedacht pressen sie sich aneinander. Einer riecht den Körpergeruch des anderen. Kein Platz mehr für eine ZuspätKommende. Nun, es war schon früher so, die Jungs waren mir am liebsten. Unkomplizierter und weniger zickig. Die Freude offen zeigend. Den Ärger ebenso.
So sitze ich schließlich als einziges Mädchen am anderen Ende des Tisches bei den Jungen. Mein Kopf geht nach rechts, nach links und wieder von vorn. Ich fürchte, dass er mir vom Hals fällt.

Es ist ungerecht, meine ehemaligen Schulfreunde als lebende Leichen zu bezeichnen. Sie haben sich durchweg gut gehalten. Die eine etwas kräftiger, die andere fast magersüchtig. Diese Klassen- oder Jahrgangstreffen bereichern die FriseurInnung ungemein.
Einige der Jungen wurden zum Mann. Die Gesichtszüge ausgeprägter, die Haare dünner oder gar nicht mehr vorhanden. Den meisten sieht man an, dass sie gern essen und nicht auf das Bierchen verzichten. Die Stillen sind noch immer still. Die Lauten lauter. In meinem Kopf beginnt es zu arbeiten.
Habe ich in einen Spiegel geschaut und die Normalität entdeckt? Haben sich die geführten Gespräche in mein Hirn gebrannt?
„Mein Haus. Mein Boot. Mein tolles Einkommen. Mein Mann. Meine Kinder. Unser Urlaub.“
Immer und immer wieder. Pflichtbewusst antworte ich: „Das ist ja toll. Fein. Prima. Da hast du es gut getroffen.“
Oder die andere Version:
„Ich bin nur auf Arbeit. Werde gemobbt. Aber was soll ich dagegen unternehmen?“ Ich habe wenig Lust, die verschiedenen Möglichkeiten aufzuzeigen. Schließlich bin ich zu Gast im Haus der lebenden Toten und möchte diesen Abend nicht mit endlosen Diskussionen verbringen.
„Und du? Wie geht es dir?“
„Mir geht es gut, danke. Was soll ich groß darüber berichten.“
Pause. Stille. Die muss doch mehr zu erzählen haben?
„Na ja, und sonst? Ich habe gehört, du schreibst? Das hätte ich dir nicht zugetraut.“
Endlich mal ein wenig Ehrlichkeit. Und Neid. Den kleinen Seitenhieb nicht zu vergessen.
„Ja“ antworte ich. „Aber ich habe nicht ohne Grund ein Pseudonym gewählt. Das war jemand anderes. Ich kann mich also gar nicht weiter dazu äußern.“
Das von mir erhoffte Schweigen bleibt aus. So einfach kapitulieren sie nicht.
„Bist du verheiratet?“ Um diese Frage zu verharmlosen folgt der Nachsatz. „Sicher bist du das, wir sind es auch alle.“ Was hat deren Ehe mit meiner nicht vorhandenen Ehe zu tun?
„Nein. Ich war nie verheiratet und werde auch nicht heiraten.“

Sie versuchen erneut, mich in ein Gespräch zu verwickeln und erwarten mit hoher Wahrscheinlichkeit bildhafte Schilderungen über meine zahllosen Enttäuschungen. Irgendwoher muss meine Einstellung kommen.
„Es gibt keinen Grund dafür“ entgegne ich bereits leicht gelangweilt. „Ich kann weder schlecht über einen meiner Männer sprechen, noch habe ich eine andere Erklärung.“
Unverständnis bei den ehemaligen Mädchen. Die muss doch was zu erzählen haben. Schließlich sind inzwischen 25 Jahre vergangen. Was stellt die sich so an? Schon in der Schule war die so verstockt, wenn sie nicht sprechen wollte. Mit uns hat sie sich kaum abgegeben. Sogar hinter die Kirche haben wir sie damals gelockt, in der Absicht, sie zum weinen zu bringen. Keinen Ton bekam man aus ihr heraus.
Ich kann die Gedanken förmlich lesen.
Das Gespräch ist beendet. Der Mädchenschwarm geht zischelnd und summend wieder zum Tisch und gibt sich erneut der Tuchfühlung hin. Ich atme aus. Das wäre also auch überstanden.

Ich fühle mich gut auf meinem Platz an der Bar. Begrüße diesen und jenen. Betrachte die ehemaligen Schüler und Lehrer. Ich rauche zuviel. Ich lache zuviel. Mir ist es gleich, ob mein Lidstrich noch an der vorgesehen Stelle heftet, der flüchtig aufgetragene Lippenstift vorhanden ist oder ob meine Haare inzwischen auf Krawall stehen.

Ich fühle mich lebendig.

01
Jul
08

V Ducati Verdi/Schluss II/C.B./H.H.

Dachte ich an Julie in der Nacht….
Wie bitte?
Ja. Ich erwachte und wissen Sie was? Neben mir lagen schwarze Augen. Die gleichen schwarzen Augen, von denen ich vor einem Jahr noch gesungen hatte. Die schwarzen Augen schauten zur Decke. Sie waren frühzeitig erwacht. Und konnten nicht mehr schlafen. Und statt den Hexenmeister zu machen und mich zu wecken, schauten sie zur Decke. Große schwarze Augen. Schauten zur Decke. Und atmeten hörlos.
Das erste Mal in meinem Leben, dass ich von schweigend gegen die Decke blickenden schwarzen Augen erwachte. Julie. Willst du den Text noch lesen? Der ganze Text ist entstanden, als du noch immer in deiner Beziehung feststecktest und ich wieder einmal auf deinem Profil herum klickte und ich ein weiteres Bild erkannte, auf dem du diese dunklen, gegen die Decke gewendeten Augen hattest:

Schwarze Augen
Juliette oder die russische Melancholie auf Bootsfahrt von der Museumsinsel nach Köpenick.

Die Mitarbeiter, die man nur als Kollegen oder Geschäftsführer kennt, spielten plötzlich Akkordeon, Cello und Geige. Man wiegt sich im Wellengang der Spree und trinkt ein wenig und dann geht es aufs Schloss mit Blick auf die ersten Restaurationserfolge…

Und am Folgetag war das Bild, dem diese Beschreibungen galten, verschwunden. Das wirkte auf mich, als habe sie eine Gefahr erkannt, als sei ich ihr da mit dem Hinweis auf die schwarzen Augen zu nah gekommen, aber auch hier: Sie machte wahrscheinlich einen Routinecheck und wechselte einfach das Bild und das hatte nichts mit meinen Texten zu tun. Denn von meinen Texten nahm sie wohl erst Notiz, sagt sie zumindest, als ich sie mehr ironisch als beiläufig angriff.

Mein Lieber.
Zwischen den Dingen, die man sagt und die man meint, liegen Welten. Du solltest es doch wissen. Du, der große Romantiker. Der nüchterne Denker im Kopf und der Romantiker im Herzen. Natürlich musste ich mein Gesicht wahren. Natürlich ist es nicht nötig, das Gesicht zu wahren. Aber in der Liebe ist da nicht alles erlaubt?

Was ich ihr bedeute, wollte sie wissen.
Einmal nur würde ich gern wissen, was ich dir bedeute.

Also gut.
Beginnen wir von vorn.

(fortsetzung folgt?)
:-)




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