Archiv für September 2008
immer wieder sonntags
lassen Sie uns doch einmal darüber sprechen, was ein mann von einer frau versteht. und, werte leser, sehen Sie mir die fehlende großschreibung nach, ich schreibe stets klein, wenn ich so vor mich hin sinniere.
natürlich könnte ich wieder übertreiben und schreiben: nichts. nicht das geringste. aber das wäre mit hoher wahrscheinlichkeit so nicht richtig.
ich denke eher, ein mann nimmt an, er würde zumindest ein wenig von einer frau verstehen. sofern er denn gewillt ist, sich mit ihren gedanken zu beschäftigen. doch auch dann würde er wahrscheinlich nur in der lage sein, die eigenen gedanken zu denken, nicht die gedanken seiner – einer – frau. schließlich ist er ein mann und kann somit nur seine männlichen gedanken denken. woher sollte er also wissen, wie eine frau denkt? manches weiß er vielleicht weil er es sich angelesen hat. oder gehört hat, oder sich mit seinem freund darüber unterhalten hat. oder eine gewisse zeit mit ein, zwei frauen verbracht hat und dazu neigt zu pauschalisieren. oder über eine phantasie verfügt, die er vielleicht intuition nennt, die aber eine frau eben auch nicht nachvollziehen kann. männliche intuition?
ich bitte Sie!
aber wie verhält es sich dann mit dem umkehrschluss?
eine frau hat demzufolge weibliche gedanken. was verstehen also frauen von den gedanken der männer?
und- war das überhaupt die ausgangsfrage?
frauen verstehen also genauso viel von männern, wie männer von frauen. und dann missversteht man sich. und dann liegt man irgendwann nebeneinander und hört auf das schlafen des anderen. es ist so einfach. man könnte eine hand ausstrecken um den anderen zu berühren. man könnte es tun, während man sich schlafend stellt, meinetwegen. man streckt seine hand und scheitert an einer rückenwand. man könnte eine hand ausstrecken um den anderen zu berühren. man könnte es tun, während man sich schlafend stellt. stattdessen erhebt man sich und begibt sich ins nebenzimmer.
um zu schreiben.
man könnte eine hand ausstrecken um den anderen zu berühren.
es wäre so einfach. doch was ist mit der furcht vor den wänden? sie sind überall. man starrt auf wände und befürchtet, die ausgestreckte hand würde zum wiederholten male abgewiesen.
natürlich. man hat sich schlafend gestellt. das macht es einfacher.
man könnte aber auch, statt sich schlafend zu stellen, eine wand genauer betrachten. man sähe unebenheiten, risse, löcher, erhebungen. und eine große fläche. eine fläche, an der man scheitert. einfach scheitern muss. sie ist zu riesig. sie zeigt grenzen auf. sie flüstert und schreit: bis hierher und nicht weiter. man könnte es mit worten versuchen, meinetwegen. doch man spricht nicht mit einer wand. gegen eine wand. die worte würden in tiefe löcher fallen oder über unebenheiten straucheln. die worte würden reißen. mit einem male hätten sie erhebungen an stellen, denen keine bedeutung beizumessen ist.
worte ? eine große fläche ohne ausgang.
und nun? betrachten Sie gerade eine wand ihrer wohnung? bemerken Sie die öffnung in der wand? oder halten sie die öffnung geschlossen? schauen Sie doch auf die rückenwand Ihres liebsten. vor der sich eine aufgerichtete wand aus weißen laken befindet. Sie werden keine öffnung finden. Sie werden sich erheben und die öffnung der steinernen wand nutzen.
man könnte eine hand ausstrecken um den anderen zu berühren. man könnte es tun, während man sich schlafend stellt, meinetwegen. doch Sie schauen auf die rückenwand. vielleicht überkommt Sie diese gewisse schläfrigkeit, die sich einstellt, wenn man konzentriert auf einen punkt sieht. Sie wollen jedoch nicht einschlafen, die furcht vor den träumen, die sich einstellen, sobald Sie der schläfrigkeit nachgeben, ist größer. auch im schlaf werden Sie von wänden eingeholt. in einer anderen form.
träumten Sie nicht erst gestern von schwarzen löchern und tiefen gräben, in die Sie unaufhaltsam stürzten? oder dieser ballon, der den raum ausfüllte, Sie nicht mehr atmen ließ, bis Sie schließlich unter atemnot erwachten?
man könnte es mit worten versuchen, meinetwegen. und hoffen. aus den wänden werden worte und aus den worten werden träume. man könnte eine hand ausstrecken um den anderen zu berühren. doch vor der rückenwand befindet sich eine lakenwand.
waren Sie schon einmal bemüht, laken- und rückenwand zu bezwingen? und sind in Ihren bemühungen gescheitert? man könnte eine hand ausstrecken um den anderen zu berühren. man könnte es nach dem erwachen tun, meinetwegen.
Sie werden sich jedoch beschäftigen. Sie werden sich zuerst ins bad begeben. Sie werden geschäftig das frühstück bereiten. Sie werden länger am tisch verweilen als beabsichtigt. vielleicht werden Sie keinen hunger verspüren. vielleicht ist Ihnen in diesen momenten der kaffee und die zigarette am wichtigsten. vielleicht denken Sie an eine ausgestreckte hand. und schauen auf eine vorderwand. eine sprechende vorderwand. eine wand, die worte findet. worte, die jedoch nichts mit Ihren absichten gemein haben. worte, die nichts klären. worte, die verzögerung darstellen. bemühen Sie sich inzwischen um konsequenz? hoffen Sie, mit konsequenz die wände zu brechen? man könnte eine hand ausstrecken um den anderen zu berühren. man würde es vielleicht auch tun. man hat es sicher schon viele male getan. man hat es einige male zuviel getan. und man erhebt sich lautlos, um sich ins nebenzimmer zu begeben.
cut.
seit ich mein haar raspelkurz trage, werde ich, sofern man nur meine rückenwand betrachtet, versehentlich für einen mann gehalten. sicher auch deshalb, da ich mich bevorzugt in hosen kleide. gestern nun habe ich mir ein kleid gekauft, in dem ich aussehe, wie eine frau aussehen sollte… doch ob ich es jemals tragen werde, ist eine andere frage. was wollte ich nun erzählen? muss also eine frau in den augen der männer langhaarig und vollbusig sein, und nicht kurzhaarig und mit einer knabenhaften figur versehen? wünscht sich nicht jede frau wie eine frau behandelt zu werden? wie behandelt man eine frau? wie behandelt manN eine frau? und ist es beleidigend für eine frau wie ein mann behandelt zu werden? ist es vielleicht sogar eine beleidigung wenn der liebste zur liebsten sagt, man sei ein feiner kerl? oder ist es unbeholfenheit des liebsten? mir scheint, ich führe gerade wieder selbstgespräche. auch das passiert mir in letzter zeit öfter. ich gehe dann murmelnd die straße entlang und störe mich nicht an den blicken der passanten.
und wieder cut.
die rückenwand. wie war das denn nun mit der rückenwand? halten Sie mich bitte nicht für verrückt, doch neulich morgens, mir ist nicht mehr ganz bewusst, war ich gerade erst erwacht oder noch gar nicht zur ruhe gekommen, sah ich an der steinernen wand, nein, nicht an der rücken- und auch nicht an der lakenwand, einen affen mit fernrohr.
trotz der ganzen unebeneheiten der steinernen wand erkannte ich das grinsen des affen, der uns durch das fernrohr betrachtete. als ich meinen liebsten darauf aufmerksam machen wollte und nochmals in richtung grinsen schaute, war der affe samt fernrohr verschwunden. wie sollte ich es also mit worten versuchen? es wäre wichtig, es mit worten zu versuchen. wie sollte ein mann sonst eine frau verstehen?
und ich schweige.
und ich begebe mich ins nebenzimmer.
um zu schreiben.
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Eine Kuh
Eine Kuh ist eine Kuh ist eine Kuh.
Denke ich jedoch über die Kuh im Besonderen nach, komme ich nicht umhin zu bemerken, dass ich das sonnige Gemüt der Kuh an sich bedeutend mehr mag, als Jenes, was man landläufig denen zuschreibt, die man scherzhaft (oder ernstlich) als „Kuh“ bezeichnet. Ja, man könnte es sogar soweit ausführen, dass ich die tierische Kuh der menschlichen vorziehe. Nun solle keiner auf die Idee kommen, das sei aus Gründen der Lebensmittelaufnahme, denn:
- ich ernähre mich vegetarisch.
Es liegt schlichtweg am sonnigen Gemüt einer tierischen Kuh. Alles menschliche ist ihr fremd.
Das mag ich so an denen.
Ebenso schlimm sind die Ochsen. Die menschlichen. Natürlich nicht alle. Hier und jetzt spreche ich nur von einem. Er ist in seiner männlich/verweichlichten Egoart dermaßen unangenehm, dass man auch weiterhin nur einen großen Bogen um ihn machen kann. Seine „Kraft“ schöpft er aus anschmachtenden mails, die man nur wenige Tage vor (seiner Meinung nach) vermeintlich „starken“ Beiträgen in Internetforen erhält, wahrscheinlich sogar dann, während die eigene, gerade frisch eingezogen Frau im Hintergrund Apfelstrudel zubereitet. Da hat man schon mal die eine oder andere mail, in der enthalten ist, „ich war schon immer ein wenig verliebt in dich“. Ganz gleich, ob es da eine persönliche Küchenhilfe gibt, die im Schweiße ihres Angesichts hofft, dass der Hefeteig auch richtig aufgeht. Das nenne ich mal wahre Liebe. So einen ehrlich liebenden Mann wünscht sich doch wahrhaft jede Dame.
Ich bin sicher, dass der Zeitpunkt, an dem auch diese arme backende Frau die Flucht ergreift, bereits feststeht.
Diese Frauen halten es nie lange bei solchen Ochsen aus.
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Der Herbst naht …
und darauf folgt der Winter.












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