
Der Schreibplatz
Irgendwann hatte ich mir angewöhnt, morgens gegen neun mit meinen Schreibutensilien am Bahnsteig zu erscheinen. Meist setze ich mich auf einen dieser Stühle aus Metall, von dem ich immer glaube, dass er einen Abdruck auf meiner Kleidung hinterlässt. Die Blicke der Anwesenden stören mich nicht, das kalte Metallgitter ebenso wenig.
Wissen Sie, ich sitze einfach nur da und halte reglos Bleistift und Papier. Eine eigenartige Stimmung überkommt mich, während ich da warte, als ob ich auf einen Zug warte. Als ob ich auf einen Menschen warte, der aus eben einem Zug steigen wird. Ich bewege mich kaum, nur meine Augen blicken interessiert auf die Reisenden und Wartenden, die in ihrer Unruhe in Bewegung sind. Alles ist in Bewegung begriffen, Züge fahren ein, Züge fahren aus. Sie spucken die Menschen auf den Bahnsteig, die mit dem Geruch einer langen Reise und langem regungslosen Innehalten behaftet sind. Nach einer Zugfahrt tragen Reisende immer diesen Duft am Körper. Nirgends sonst riecht man die eigenartige Mischung aus Schlaf und Schweiß, Rauch und etwas anderem, was ich nicht definieren kann. Belegte Brote vielleicht. Und hart gekochte Eier. Manchmal riecht es auch nach Apfel. Nach frischem, gerade erst verzehrten Apfel. Manche Menschen eilen auf die, auf sie wartenden, Bekannten zu. Andere steigen eher zögerlich aus den Abteilen, gerade so, als ob sie weiter reisen möchten und sich nicht über die Ankunft freuen. Verliebte fallen sich in die Arme, Töchter eilen lachend auf ihre Mütter zu und Väter nehmen stolz die erwachsenen Söhne in den Arm. All das bemerke ich und möchte es festhalten.
Die Bewegung möchte ich halten, die Menschen, die wechselnden Gestalten. Die unterschiedlichen Charaktere mit den so ganz verschiedenen Lebensläufen.
Ich denke mich in die Menschen, die ich sehe.







Das sind ganz wunderbare Gedanken und Worte, liebe Paradalis! – Auf einem Bahnhof summt es förmlich vor einer Unzahl Geschichten. Manchmal möchte ich mir Jemanden aus der Menge heraus greifen: „So, und du setzt dich jetzt zu mir und erzählst!“…
Manchmal, wenn ich mich allein fühle oder irgendeinen Kummer habe, dann gehe ich auch runter zum Bahnhof. Ich setze mich in ein kleines nettes Cafe am Bahnhof in Kiel, trinke Espresso und schaue mir die Menschen an. Das geht ja auch am Sonntag wo sonst die Geschäfte dicht sind. Die Leute achten nicht auf mich, halten mich höchstens für einen Reisenden ( oder einen sunnyboy der seine fantastisch aussehende freundin abholt – ich mal wieder. Träumer ). lg