Oder sollte ich viel eher sagen: auf den Bildschirm?
Wie auch immer, ich möchte euch, die ihr in den vergangenen Wochen an mich gedacht habt, daran teilhaben lassen.
Euch auf diese Art und Weise dafür danken.
Es war ersichtlich, dass der Monat Dezember für mich nicht einfach wird, es begann bereits Mitte November, als ich mir meiner – wie sagte Herr Wortman so schön: “Sinnkrise” – bewusst wurde. Anfangs versuchte ich noch, mich von ihr zu befreien, dann gab ich mich ihr hin.
Die nächste Zeit verbrachte ich neben meinem Job fast ausschließlich mit Lesen, Denken, Stöbern in alten Beiträgen und Bildern. Ich wollte den Zeitpunkt herausfinden, an dem sich die Melancholie in meine Augen grub. Ich fand diesen Zeitpunkt nicht, zumindest nicht hier auf dem Blog. Es muss irgendwann früher gewesen sein, vielleicht mit dem Tod meiner Großmutter, vielleicht später, vielleicht, als ich um die Gesundheit/das Leben meiner Tochter kämpfte, nächtelang den Befund an sämtliche renommierte Universitätskliniken schickte, nach Wien, Berlin, Münster und in die Schweiz reiste, immer die Sorge im Gepäck.
Ich weiß es nicht. Mir wurde nur klar, dass ich etwas Grundsätzliches ändern musste.
-
Das Internet ist hilfreich, aber auch heimtückisch. Man verbringt zuviel Zeit in der Virtualität, man nutzt das Internet, um sich aus dem aktiven Leben und Erleben zurückzuziehen. Es ist bequem, am PC zu sitzen, zu schauen, zu schreiben, zu fühlen. Man muss sich ja nicht einmal aufhübschen, es stört niemanden, sitzt man mit Wohlfühlklamotten davor. Man kann sich sogar noch darüber lustig machen und unterhalten.
Ich meine damit auch nicht nur Blogaktivitäten, es gibt so vielfältige andere Foren, in denen man tätig sein kann, angefangen von Literaturforen, bis hin zu Fotocommunitys. Natürlich dient das den eigenen Interessen, man ist ja an seinen Hobbys interessiert. Nur finden diese Hobbys eben im Internet statt.
Von Facebook möchte ich gar nicht schreiben, der Beliebigkeit sind dort Tür und Tor geöffnet. Facebook war auch die erste Internetplattform, von der ich mich löste. Danach folgten diverse Literaturforen. Ich meldete mich einfach ab. Und soll ich euch mal etwas sagen? Es krähte kein Hahn nach mir. Beliebigkeit.
Das Dasein im Internet kann sogar soweit gehen, dass man eine Sozialphobie entwickelt. Ich bin dankbar, dass ich mich zumindest im Rahmen meines Jobs noch in der Öffentlichkeit bewegen musste.
Ich überlegte, wann ich begann, nicht mehr auszugehen, keinen Wert mehr auf Komplimente zu legen. Am liebsten mit Basecap und hochgezogenem Jackenkragen, Attila an der Leine, einsam im Wald spazieren ging. Klar, die Kamera. Eine perfekte Begründung, mich hinter ihr zu verstecken, mich einmal mehr abzuschirmen. Ich versuchte mich zu erinnern, wann ich das letzte Mal in einem Cafè saß und die Menschen um mich herum ertragen konnte, bzw. keine Panikanfälle bekam.
Eine Zeitlang gelang es mir, mit meinem Partner an der Seite. Doch das waren zu wenige reale Momente, um daraus die Kraft zu schöpfen, es auch allein bewältigen zu können. Und ich war nicht mutig genug, diesen einen entscheidenden Schritt zu gehen. Die Beziehung aus der Virtualität, die einzige Möglichkeit, die wir im Endeffekt aufgrund der Umstände leben konnten, in die Realität zu bringen. Ich hatte keinen Mut, mein gewohntes Umfeld zu verlassen, so sehr ich mir auch immer ein Leben am Meer, mit einem Mann an meiner Seite, wünschte.
Letztendlich kann die Kraft nur aus mir selbst kommen.
Klar, so Veranstaltungen wie das Bloggertreffen. Die gab es auch. Es bereitete mir Freude, alles vorzubereiten und zu sehen, wie sich meine Gäste wohlfühlten. Nur – wer mich an diesem Abend erlebt hat – ich flitzte hin und her, nahm mir für niemanden Zeit. Meine Gäste hätten sich nicht unwohler gefühlt, hätte ich mich etwas weniger um Speisen und Getränke gekümmert, sondern mir mehr Zeit für sie genommen. Gespräche geführt. Nicht nur ein paar Minuten, sondern eben auch länger. Ich hatte das Empfinden, dass die Party einem schnellen Flügelschlag glich. Sie war vorbei, bevor sie überhaupt begann. Euch, die ich gern näher kennengelernt hätte, ihr wart so schnell ab- wie angereist. Tragt es mir nicht nach, ich war noch nicht soweit für diese Erkenntnis.
Vielleicht möchte ich deshalb – sofern noch Interesse daran besteht – die Veranstaltung im Juni 2012 lockerer gestalten.
Ich möchte gern Zeit finden. Zum Lachen und Feiern. Zum Genießen. Ich möchte real in den Arm genommen werden. Nähe spüren. Menschliche Nähe.
Ich möchte wieder Komplimente erhalten. Von realen Menschen. Ich möchte nicht misstrauisch hinterfragen, welche Intention hinter einem Kompliment steht. Es annehmen und mich darüber freuen. Ich möchte auch wieder Streitgespräche führen können, ohne dass für mich die Welt zusammenbricht und ich mich daraufhin enttäuscht ins Internet begebe, in der Absicht, mich abzulenken. Wann begann ich eigentlich damit, den Menschen so grundlegend zu misstrauen? Bitte, ich betone es nochmals, ich meine damit nicht euch, die ihr hier so oft an mich denkt und für mich da seid.
!
Natürlich vergesse ich nicht das Gute, das eben das Internet auch bietet. Angefangen bei den Möglichkeiten zur Recherche der Erkrankung meiner Tochter, weitergehend bis zur Inspiration, die ich so oft erhalten habe. Ich habe nicht zuletzt durch das Internet den Weg gefunden, den ich jetzt einschlagen werde.
Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Blog hier schließe. Aber es ist auch eine Geschichte. Es ist Entwicklung, Inspiration, Erleben. Und ich habe nicht zuletzt durch diesen Blog liebe Menschen kennengelernt. Menschen, die ich nicht missen möchte. Euch also.

Deshalb lasse ich diesen Blog so wie er ist. Mit all den Emotionen, Geschichten, Bildern. Ich möchte nach wie vor dieses Bloggertreffen im Juni organisieren, werde dazu auch auf diesem Blog informieren.
Natürlich werde ich auch weiterhin auf eure Blogs schauen, sehen, wie es euch geht. Wenngleich die vergangene Zeit gezeigt hat, dass mir letztendlich der persönliche Kontakt viel mehr gibt. Selbst wenn es nur seltene Mails oder Telefonate sind.
Aber ich werde nicht mehr detailreich berichten, wie mein Leben verläuft, ich werde nicht mehr berichten, wenn mir eine besonders schöne Schokoladenkreation gelungen ist. Im Endeffekt ist es uninteressant, wenn ich das in die Welt hinausschreie. Allerhöchstens für einen Moment, einen Moment der Freude. Der virtuellen Freude.
Der Weg, den ich gehen möchte, wird ein anderer sein.
Die Kamera, auf die ich so lange spare, wird natürlich mein Begleiter sein, und natürlich ist mir bewusst, dass ich damit einen letzten Schutz zwischen mich und meiner Umwelt stelle. Aber ich bin immerhin so weit, dass ich keine Käfer mehr fotografieren möchte, mich nicht mehr zu ihnen verkriechen werde.
Sobald die Kamera gekauft ist – ich habe mich auch bereits endgültig entschieden – es wird eine canon 60 D (ev. eine 7D) werden, bitte ich einen befreundeten Fotografen, mich mit sich “herumzuschleppen”. Neben diesem praktischen Wissen werde ich mich intensiv der Theorie widmen. Nicht mehr, um einsam im Wald auf einen Vogel oder ein besonders interessantes Insekt zu warten. Ich möchte Menschen. Ich möchte mich mit ihnen wieder unterhalten. Thematiken. Keine Studioaufnahmen, sondern Menschen in unterschiedlichen Situationen.
Ich muss oft an die beiden alten Damen denken, erinnert ihr euch? Warum knüpfte ich da eigentlich nie an? Ich sollte doch in der Lage sein, mit einer guten Kamera auch Menschen abzulichten? Ich möchte auf “Zwillingstreffen”, von diesen Veranstaltungen habe ich schon soviel gehört. Ich möchte eine Ausstellung. Ich möchte keine Angst mehr haben, auf dieser Ausstellung zu stehen und Fragen zu beantworten.
Ich freue mich auf diese Aufgabe. Auf diese Herausforderung.
-
Ich möchte euch danken. Für die Zeit, die ihr mir geschenkt habt. Für eure Anteilnahme. Eure Motivation.
Und ich hoffe und wünsche, dass die menschlichen Beziehungen, die sich entwickelt haben, Bestand haben, auch wenn ich mich nun weniger im Internet bewegen werde. Ich hoffe, dass ihr versteht, wenn ich es realer haben möchte.
Es ist der einzige Weg, wie ich mich der Melancholie in meinen Augen entledigen kann.
Passt auf euch auf.
Ich trage euch in meinem Herzen.
Letzte Kommentare