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Bildquelle: unbekannt, Text: (c) h.h.
Er ist wie ein Fisch, denke ich mir dann. Er muss ein Fisch sein. Sein stummer Mund bewegt sich, als ob seine Zunge noch am Leben sei.
Auf und zu. Auf und zu.
Sein breitlippiger Mund formt Worte, die für mich unverständlich sind. Sacht drehe ich mich auf die andere Seite, um seinen Schlaf nicht zu stören. Leise tastet sich eine haarige Hand mit spinnenförmigen Fingern an mich heran und berührt meine Haut. Die Hand tastet weiter, sucht den Weg zu meinen Geheimnissen und verharrt, angekommen, fast bewegungslos. Apathisch fließe ich mit dem Laken und bemühe mich lautlos zu atmen. Der Atem wird schwerer, die Hand fordernder. Ich will mich schlafend stellen, doch es gelingt mir nicht. Vorsichtig hebe ich den Kopf und betrachte sein haariges Hinterteil, das sich in undefinierbarem Rhythmus auf und ab bewegt. Die aufgestellten Härchen stechen mir mit unsagbarer Grausamkeit in die Augen. Plötzlich sehe ich die Spinne an der Wand. Groß und bepelzt klebt sie breitbeinig an der Wand. Eng dagegen gepresst, jede noch so geringe Unebenheit kann dieses haarige Ding zwischen den weit abgespreizten Beinen genau spüren. Warum hört die Bewegung plötzlich auf? Wieso hört sie auf? Er ist gefangen in seiner Breitbeinigkeit und gefangen in seiner Stummheit wie ein Fisch auf dem Trockenen. Mit einer beiläufig wirkenden Bewegung drehe ich mich erneut. DA! Was macht der Segelflieger auf dem Fenstersims?? Kraftvolle Flügel schwingen im Rhythmus des haarigen Hinterteils. Vorsichtig erhebe ich mich, ich habe Durst. Wieso fließt das Wasser zurück in die Leitung, sobald ich meinen Kopf kühlen will? Ich werde verdursten. Am fließenden Wasser verdursten. Flächigbreitporiggraue Gesichter pressen sich gegen das Fenster, offene Münder benetzen und verschmieren die Scheibe mit Speichel, riesige Ohren, die wie Muscheln wirken, durchdringen das Glas, jeder auch noch so leise Laut verschwindet in der Tiefe dieser Ohren. Ich bemerke, dass das Sofa mich beobachtet. Es starrt mich an. Nein, das ist keine schadhafte Stelle, das ist das Auge. Ein großes, weit aufgerissenes, braunes, glotzäugiges Auge. Was will das Auge von mir? Es hört nicht auf zu starren. Ich drehe mich erneut, sehe die haarige, leblos wirkende gespreizte Spinne an der Wand und fühle mich auch von ihr beobachtet. Ich wende mich zum Fenster, dort sitzt der Segelflieger, die Schwingen breit in meine Richtung geöffnet und meine Angst riechend.
Ich krieche unter die Decke. Dort wartet das haarige Hinterteil. Ich hebe den Kopf, sehe nach links, nach rechts, nach oben und unten, überall ist der stumme Fisch auf dem Trockenen, sind die stummen Lippenbewegungen.
Weg! Denke ich. Ich will weg!!
Neben mir eine Bewegung. Eine selbstverständliche, bereits tausendmal vollzogene Bewegung. Ein Männerarm zieht mich sacht an sich heran.
„Du hast geträumt, meine Liebe. Du hast geträumt. Ich bin da.“ Wohlig seufzend rolle ich mich auf ihn. Ertrinke in meiner eigenen Feuchtigkeit.
Angekommen.
Bild und Text: (c)h.h.
Als wir voneinander ließen, war es Morgen.
Die Nacht war gegangen und hatte die Liebe mit sich genommen.
Vor dem Fenster fielen die Tauben wie Sterne in die Tiefe. Sie schlugen nicht auf den Boden, sondern erhoben sich mit starken Flügelschwingen. Der untergehende Mond nahm den letzten Schimmer unserer schlaflosen Nacht mit sich und die Sonne verbrannte den Morgen danach.
Ein langes Frauenhaar lag auf roter Seide, wirkte wie achtlos verloren gegangen.
Dabei war es dem festen Griff der Lust geschuldet.
Bild: Quelle unbekannt
Unter den Blinden ist die Einäugige Königin.




Hi meine Liebe,
da sitze ich zweiäugig ganz minimalistisch noch auf der Arbeit und sehe dass es geklappt hat.
Freut mich sehr. Viel Spaß !!!