Paradalis’s Weblog

Satzschönheiten

Verfasst von paradalis am Dezember 16th, 2007

 Andrew Sean Greer

Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli

- Seite 71

“Hier nistet eine kleine Lüge.”

“Ich mache aus meinem Herzen eine Kamelie, die in einer Schale mit klarem Wasser schwimmt, während es in Wirklichkeit ein dunkles, geschwollenes Ding war.”

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Andrew Sean Greer

Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli

- Seite 11

“Jeder von uns ist die Liebe im Leben eines anderen”

… und da ich “Max Tivoli” wirklich zu meinen erklärten Lieblingen erkoren habe, ein weiterer Beweis der wunderschönen Erzählkunst des Schriftstellers.

“Ich sitze hier an einem herrlichen Apriltag. Um mich verwandelt sich alles; die Sonne zeichnet tiefe Schatten hinter die Kinder und Bäume und radiert sie, kaum das eine Wolke aufzieht, wieder aus. Das Gras füllt sich mit Gold, dann zerfällt es zu nichts. Der ganze Schulhof wird mit Sonne bespritzt und besprengt, bis alles vor erhabener Schönheit leuchtet und es mir den Atem raubt, dem Schauspiel beizuwohnen. Niemand sonst achtet darauf.”

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Ich liebe schöne Sätze.

Zur Erläuterung:

ich lese Bücher mit einer gewissen Merkwürdigkeit. Zuerst nehme ich also das Buch, das mir interessant erscheint. Ich verschlinge es nicht, sondern bleibe auch schon einmal an schönen Sätzen hängen. Dann lese ich immer und immer wieder diesen einen Satz und freue mich daran, überlege, wie der Schriftsteller darauf gekommen ist usw. Verständlicherweise bekomme ich dadurch von der Handlung des Buches nicht allzuviel mit. :-)

Also lese ich das Buch, wenn es mir denn gefällt, ein zweites Mal. Dann kenne ich die schönen Sätze bereits und kann mich auf die Handlung konzentrieren.

Auf dieser Seite werde ich schöne Sätze einstellen. Aus dem Zusammenhang gerissen und dennoch äußerst wirkungsvoll. Vielleicht kann ich euch so ein wenig von meiner Freude abgeben und ihr versteht sogar meine merkwürdige Leseart. Natürlich bin ich an “schönen Sätzen” von euch sehr interessiert.  Ganz gleich, ob ihr sie irgendwo gelesen habt oder sie eurer eigenen Feder entspringen.

Also fleißig “mitarbeiten”, ja? :-)

3 Responses to 'Satzschönheiten'

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  1. arsfendi said, on Dezember 22nd, 2007 at 1:07 Uhr nachmittags

    Hier auch mal von mir ein paar gesammelte Zitate aus meinen Lieblingsbüchern:

    “Warum sollte man annehmen, daß Schönheit, das Kostbarste auf dieser Erde, wie ein Stein am Strand liegt, damit sie jeder gedankenlos Vorübergehende so nebenbei aufhebt? Schönheit ist etwas Wunderbares und Ungewöhnliches, das der Künstler unter Seelenqual aus dem Chaos der Welt formt. Und wenn er sie geschaffen hat, ist es nicht allen vergönnt, sie zu erkennen. Um sie zu erkennen, muß man das Abenteuer des Künstlers wiederholen. Es ist eine Melodie, die er singt, und um sie im eigenen Herzen zu hören, braucht man Wissen, Empfindsamkeit und Phantasie.”
    [W.Somerset Maugham: Silbermond und Kupfermünze]

    ***

    “Eine Träne vergießt sich hier bei mancherlei Gelegenheit. Wenn man annimmt, daß Schönheit die Verteilung von Licht auf der Netzhaut kongenialste Weise ist, dann ist eine Träne das Eingeständnis der Unfähigkeit der Netzhaut wie auch der Träne, Schönheit festzuhalten. Liebe kommt schließlich mit der Geschwindigkeit des Lichts; Trennung mit der des Schalls. Daß die größere Geschwindigkeit zur geringeren verkommt, ist der Grund, weshalb das Auge feucht wird. Weil man ein endliches Wesen ist, empfindet man eine Abreise von diesem Ort für immer als endgültig; ein Abschied von hier ist eine Verbannung des Auges in die Provinzen der anderen Sinne; im besten Falle in die Ritzen und Risse des Hirns. Denn das Auge identifiziert sich nicht mit dem Körper, sondern mit dem Gegenstand seiner Aufmerksamkeit. Und aus rein optischen Gründen bedeutet Abreise für das Auge nicht, daß der Körper die Stadt verläßt, sondern daß die Stadt die Pupille im Stich läßt. Ähnlich bereitet das Verschwinden der Geliebten, insbesondere ein allmähliches, immer Schmerz, egal wer und aus welchem peripatetischen Grund sich eigentlich wegbewegt. Wie die Welt beschaffen ist, ist die Stadt die Geliebte des Auges. Danach ist alles Enttäuschung. Eine Träne ist die Antizipation der Zukunft des Auges.”
    [Joseph Brodsky: Ufer der Verlorenen]

    ***

    Von allen Dingen, auf die der Mensch gekommen ist, um sich selbst weh zu tun, ist das schlimmste die Liebe. Wir leiden ständig, weil jemand uns nicht liebt, weil jemand uns verlassen hat, weil jemand nicht von uns läßt.
    [Paulo Coelho, Auf dem Jakobsweg]

    ***

    Diese Sorge um das eigene Bild ist eine geradezu schicksalhafte Unreife des Menschen. Es ist sehr schwer, diesem Bild gegenüber gleichgültig zu bleiben. Eine solche Gleichgültigkeit übersteigt die menschlichen Kräfte.
    [Milan Kundera, Die Unsterblichkeit]

    ***

    Solche Menschen hat es in der Geschichte gegeben, die ihr ganzes Leben hart gearbeitet hatten, und das nur aus Hingabe und Liebe; Menschen, die ihr Leben den anderen buchstäblich geschenkt haben; und die dennoch nicht den Eindruck erweckten, sich aufzuopfern; und die sich in Wirklichkeit keine andere Lebensweise vorstellen konnten, als ihr Leben den anderen zu schenken - in der Praxis waren solche Menschen im allgemeinen Frauen.
    [Michel Houellebecq:Elementarteilchen]

    ***

  2. max said, on Januar 8th, 2008 at 9:28 Uhr nachmittags

    …ich hab dann beschlossen ich werd jetzt ein anderer mensch. das hat auch geklappt; ich bin ein anderer mensch geworden, doch ich habe dann festgestellt der neue mensch säuft genau so viel wie der alte…

    fredl fesl (grad noch mal glück ghabt - die welt hat an vogel)

  3. paradalis said, on Januar 9th, 2008 at 6:21 Uhr vormittags

    danke max. das schöne an dieser rubrik ist, dass man so auf neue, lesenswerte bücher hofft. leider habe ich von fredl fesl nur songtexte etc. bei google gefunden.

    die sind mit einer großen portion humor versehen.

    gefällt mir.

    gruß
    heike

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