24
Mai
09

Pulsschläge – 08 –

Ich erhebe mich, nehme den Hörer von der Gabel meines altmodischen Telefons und versuche mich wie gewöhnlich zu melden.
Das Übliche: „Ja Bitte?“, klingt gekünstelt. Mein Gegenüber beginnt zu sprechen. Es ist mein Mann. Ich bezeichne ihn als meinen Mann, obwohl wir nur von Zeit zu Zeit zusammen leben. Er ist im Grunde ein Gelegenheitsmann. Ich bin nicht sicher, ob ich das ändern möchte.
Ich weiß, Achtung ist geboten. Er, mein Mann, ist feinfühlig und aufmerksam und bemerkt jeden Zwischenton. Ich berichte vom Alltagsgeschehen und höre mich selbst sprechen. Noch so ein Phänomen. Ich spreche und habe dabei die Empfindung, als würde ein anderer sprechen. Doch diesmal scheint er meine Unsicherheit nicht zu bemerken. Später lausche ich seinen Worten und bin dennoch in meinen eigenen Gedanken versunken. Erst kürzlich träumte ich von meiner vorangegangenen Beziehung.
Sollte ich meinen Mann davon erzählen? Ich suchte ihn, die vorangegangene Beziehung. Ich irrte durch die Straßen und suchte ihn. Ergebnislos. Ich erwachte und schlief erneut ein, ich wollte ihn finden, ihn, mit dem ich doch längst abgeschlossen hatte. Dann erhob ich mich und bereitete mir einen Morgenkaffee. Ich dachte, nur eine Stunde. Nur eine Stunde schreiben, dann begebe ich mich in den Alltag. Und ich schrieb mich fest. Ich schrieb Belanglosigkeiten und vermied die Beschreibung meines Traumes. Ich schrieb und schrieb. Die Zeit verrann. Ich vergaß Buchstaben, ich verwechselte Buchstaben. Ich ließ ganze Worte aus. Und ich begab mich nicht in den Alltag, ich schrieb und schrieb.

Mein Mann verstummt am anderen Ende. Es ist alles gesagt. Morgens benötige ich nur Kaffee. Ich brauche weder abgeschnittene Ohren, noch den allabendlichen Freund, der gut gekühlt im ständig vor sich hin brummenden Kühlschrank auf mich wartet.
Mittlerweile ging ich bereits in andere Supermärkte einkaufen. Da war dieses Schamgefühl, das mich immer überkam, wenn sich in meinem Einkaufskorb neben Brot nur Wein befand.
Meine Gedanken wandern. Ich schrecke auf. Der Nacken schmerzt.

– Fortsetzung folgt –

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5 Responses to “Pulsschläge – 08 –”


  1. 24. Mai 2009 um 13:46

    Liebe Frau Paradalis, muss man sich Sorgen machen?

  2. 24. Mai 2009 um 15:19

    Liebe Frau O., danke der Nachfrage.
    Es ist alles in Ordnung, der Text ist schon einige Jahre alt und ich wollte ihn hier nur einmal gesammelt einstellen …

    Danke und lieben Gruß!
    🙂

  3. 24. Mai 2009 um 22:33

    Gut zu hören. Lieber einmal zu viel nachgefragt als einmal zu wenig.

  4. 25. Mai 2009 um 06:07

    Liebe Frau O., natürlich, da hast du völlig recht, ich handhabe das auch meistens so.
    Also vielen Dank nochmals!!
    🙂
    Ich hoffe, bei dir ist auch alles in Ordnung?

  5. 25. Mai 2009 um 15:43

    Die persönliche Ansprache samt Andeutung möglicher Folgen haben (bisher) Wunder gewirkt. Seit genau einer Woche wunderbare Ruhe. Ich hatte ganz vergessen, wie schön das sein kann.


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