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Pulsschläge – 16 –

Schalten wir doch einfach alles Soziale ab. Treffen wir uns nur noch zur Lustbefriedigung.
„Guten Tag. Eine eilige Ejakulation bitte.“
Am besten zwischen zwei Whiskey Cobbler und dem Honeymoon. Und wenn die Sterne günstig stehen, ejakulieren sie möglicherweise sogar ein zweites Mal.
„Hallo? Haben sie heute schon ihr Hor®oskop studiert?“
Wenn sie zweimal still halten, gehört der Diamant aus dem Geschäft der 5th Avenue ihnen und wollen sie vielleicht danach noch zu Balducci`s?

Ist das die Entwicklung, die wir nehmen werden? Noch empfinden wir nicht so. Und doch. Wie viel erspart man sich? Ging es uns gefangen im eigenen Ich nicht besser? Wie leicht scheint es, sich das einzureden. Wie einfach ist es doch zu versteinern. Was tragen wir heute nicht wieder für eine tolle Maske! Und bitte, wir wollen doch mal nicht daran rühren! Nähe? Die haben wir doch noch nie benötigt! Natürlich nicht. Selbst als Kind verzichteten wir maulig darauf. Gebrachte Geschenke wurden genommen und Zärtlichkeiten unter dem Mantel der Scham abgelehnt.
„Liebling? Würdest du bitte ‚Danke!‘ sagen und der Tante einen Kuss geben?“
Klein Liebling packt das Geschenk und verschwindet im Nebenzimmer.
Die Erwachsenen? Am besten handhaben wir es doch auf die banale Art.
„Sie hätten gern mal wieder Sex?“
„Gern, ein neuer Wagen käme mir gerade recht.“
Doch was ist mit der Einsamkeit? Wie viele Kostbarkeiten sind nötig um sie zu ersticken? Jene Einsamkeit, die uns einholt, so sehr wir uns auch dagegen wehren. Die Einsamkeit, die nach uns greift und uns den Schlaf raubt. Einsamkeit, die sich auch mit Arbeit nicht betäuben lässt.
Mein Schneckenhaus ist greifbar nah. Es hat mir schon gute Dienste geleistet. Dort bin ich sicher. Und am Fenster ein Kaktus.

Der wider Erwarten blüht und junge Triebe bringt.

– Ende –


4 Responses to “Pulsschläge – 16 –”


  1. 4. Juni 2009 um 07:45

    Genial. Ich glaube ich bin gerade genau so drauf.

  2. 4. Juni 2009 um 09:02

    zufällig gerade in einem anderen Blog gelesen:
    „Ein Kaktus ist eine zutiefst vom Leben enttäuschte Gurke.“

  3. 4. Juni 2009 um 09:07

    Thomas,

    aber auch ein Kaktus hat die Möglichkeit, wunderschöne Blüten zu treiben. Man braucht da nur Geduld …🙂

    Arsfendi,

    liegt das vielleicht am Mond?
    🙂

  4. 4. Juni 2009 um 22:48

    Genau. Auch ein Kaktus kann wunderschöne Blüten hervor bringen – und ein Schneckenhaus hat ja bekanntlich keine Türen. Auch wenn der sogenannte „Fortschritt“, das sogenannte „moderne“, „zivilisierte“ Leben ringsum im Eiltempo, hart, kalt und unpersönlich an uns vorbei zu strömen scheint, tiefe, echte und ehrliche Gefühle werden sich niemals ausrotten lassen. Nie und nimmer. Liebe Grüße!🙂


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