12
Nov
09

Einblicke, wie man sie nur selten sieht.

Ich wohne in einer Gegend, die widersprüchlicher nicht sein kann.
Verlasse ich meine Wohnung und gehe nur ein paar Meter über die Straße, bin ich schon im dichten Wald.
ADMEDIA errichtete erst kürzlich auf dem freien Gelände davor eine riesige Kindertagesstätte, es befinden sich bereits Sportstätten, Sauna und Schwimmbad dort.
Ein große Klinik ist auf der anderen Seite des Waldes. Die Gegend um das Krankenhaus ist bebaut mit Einfamilienhäusern und man kann „gut gehende“ Gaststätten und Lokale besuchen.

Läuft man in die entgegengesetzte Richtung, kann man einen Penny Markt, Aldi, REWE, Edeka, das „dänische Bettenlager“, einen Praktiker Baumarkt, Friseurgeschäfte, mehrere Imbisse und Pizzerien, Autowerkstätten, Blumengeschäfte, eine chemische Reinigung, Kosmetiksalons, ein Versicherungsbüro, ein Matratzenhaus, eine Schneiderei und andere Geschäfte besuchen.

Abends, wenn ich die „Hunderunde“ nicht durch den Wald gehe, sondern durch die Kleingartenanlage laufe, komme ich auf dem Rückweg auch am Obdachlosenheim vorbei.
Oft schaue ich in die erleuchteten Fenster und sehe Menschen auf den Betten sitzen. Halbnackt, ihre Kleidung achtlos auf das Bett geworfen.
Sie sehen nicht unzufrieden aus, sondern wirken eher glücklich.

„Obdachlos zu sein, ist gar nicht schlecht“, erzählte mir erst kürzlich ein Mann, der dort eingezogen ist und ein Dauerquartier gefunden hat.
„Morgens verlasse ich die Wohnung und kann den ganzen Tag tun und lassen, was ich möchte. Ich muss mich um nichts kümmern, kann von da nach dort laufen und komme gut zurecht. Abends habe ich ein Bett zum schlafen. Warum sollte ich diesen Zustand ändern? Duschen kann ich mich auch und sogar eine Waschmaschine ist im Keller.“


Manchmal fragte ich mich, wie diese Einrichtung wohl von Innen aussieht.
Nun – ich erhielt Antwort.
„Am Tag der offenen Tür“ erforschte ich das Innenleben des Obdachlosenheimes. Und möchte euch die Einblicke nicht vorenthalten.

Interessant übrigens auch, dass an diesem Tag der „Club Heinrich“, der sich im Nebenhaus befindet, auch Einblicke gewährte. Widersprüchlicher konnte es nicht zugehen. Warum ich das erwähne?
Das zeige ich euch morgen. Denn nach dem Besuch im Obdachlosenheim ging ich natürlich auch noch in den „Club Heinrich“, eine Einrichtung der Diakonie für Behinderte.

Jetzt erst einmal die Aufnahmen vom Obdachlosenheim.
Obdachlosenheim
Eingangsbereich Obdachlosenheim Pinnwand
Gastfreundschaft im Obdachlosenheim
Eingangsbereich Obdachlosenheim
Informationen Obdachlosenheim
Nachtquartier

Zimmeransicht Obdachlosenheim
Toilette Obdachlosenheim
Toilette Obdachlosenheim Waschbecken

Dauerbewohner Einzelzimmer

Dauerbewohner Einzelzimmer

 

Küchenzeile Obdachlosenheim

Küchenbereich Dauerbewohner

 

Doppelzimmer Obdachlosenheim

Doppelzimmer Dauerbewohner

 

Kunstobjekte Obdachlosenheim

Kunstprojekte

Advertisements

8 Responses to “Einblicke, wie man sie nur selten sieht.”


  1. 12. November 2009 um 06:40

    Hallo Heike
    Ein Obdachlosenheim habe ich noch nicht von innen gesehn. Danke für die Bilder!
    Es sieht kalt und ungemütlich aus. Aber ich denke als Alternative zum draußen schlafen ist es für die Obdachlosen der pure Luxus.
    Ich finde das traurig!
    L.G. Anja

    • 12. November 2009 um 06:50

      Hallo Anja, guten Morgen.

      Die Fotos, auf denen mehrere Betten zu sehen sind, sind „Nachtquartiere“. Das bedeutet, für einen Beitrag von 8,00 € kann jeder aufgenommen werden, der an die Tür klopft und ein Bett zum Schlafen benötigt. Hat er keine 8,00 €, so versicherte mir die Verantwortliche, wird er trotzdem aufgenommen und muss nicht draußen schlafen.

      Natürlich ist es kalt und ungemütlich, diese Zimmer im Erdgeschoss ganz besonders.
      Im oberen Stock sind die Zimmer mit einer „Küchenzeile“ ausgestattet und ein klein wenig gemütlicher. Es sind Dauerquartiere.

      Aber anders benötigen und wollen es die Obdachlosen nicht. Sie wohnen draußen, in der Natur. Sie sitzen auf Bänken und beobachten die Menschen. Das ist für sie weitaus interessanter und gemütlicher, als einen tollen Film im TV zu sehen.
      Weißt du, Anja. Wir bedauern das Leben, was sie führen, aber sie möchten gar nicht bedauert werden. Sie sind zufrieden so.
      Zumindest die Meisten.

      Die Verantwortliche des Hausen erzählte mir, dass man normalerweise nach 18 Monaten Aufenthalt im Dauerquartier und natürlich der „Arbeit“ mit diesen Menschen, sofern sie dazu bereit sind (Alkoholentzug etc.) ihnen eine kleine Wohnung zuweist und ausstattet.
      Aber es gibt unendlich viele der Obdachlosen, die das gar nicht möchten.

      Kein Grund also, traurig zu sein!
      🙂

      Liebe Grüße
      Heike.

  2. 12. November 2009 um 06:57

    Guten Morgen liebe Heike,
    ich habe,außer im Fernsehen, auch noch nie ein Obdachlosenheim von innen gesehen, dieses scheint aber zu den besseren zu gehören.
    Wenn es auch unpersönlich erscheint, wird es für viele Obdachlose oftmals die letzte Rettung sein. Wie viele würden gerne ein geregeltes Leben führen, finden aber keinen Weg aus der Misere.
    Auch ich danke für diese eindruckvollen Bilder.
    Ich wünsche dir einen schönen Tag.
    Liebe Grüße
    🙂
    Bärbel

    • 12. November 2009 um 08:48

      Hallo meine liebe Bärbel, guten Morgen. Und danke.

      Hier ist es so geregelt, dass die Obdachlosen ins Leben zurück integriert werden sollen. So steht ihnen ein Sozialarbeiter zur Seite, der sie begleitet. Bei der Wohnungssuche, der Einrichtung (Möbelbörse etc.) und auch bei „Amtsterminen“. Immer vorausgesetzt, diese Menschen wollen auch zurück ins normale Leben.

      Oftmals wollen sie das jedoch nicht. Und so bleiben sie in der „Misere“, wie wir es bezeichnen.

      Auch dir einen schönen Tag, vor allem wünsche ich euch, dass es mit der Gesundheit bald besser wird, ihr diese blöde Erkältung überwindet!!
      Liebe Grüße
      🙂
      Heike

  3. 12. November 2009 um 08:17

    Diesen Einblick in ein „anderes“ Leben, finde ich wirklich gelungen. Ich denke manchmal, wie viele Menschen in eine derartige Lage unfreiwillig abrutschen, ohne dass es zu verhindern war. Menschen, die gerne wieder Arbeit finden würden, um wieder ins Normale zurückzukehren.
    Möglich, dass der ein oder andere Obdachlose ein glücklicheres Leben führt und auch nicht mehr zurück ins alte möchte.
    Aber gerade jetzt zu dieser Jahreszeit müsste es noch mehr von diesen Einrichtungen geben.
    Gerade hier in Düsseldorf sieht man an bestimmten Ecken immer wieder diese Menschen in eisiger Kälte draußen schlafen.
    Menschen, jeden Alters.
    Und es wird einem immer wieder bewußt, wie gut es einem selbst geht.

  4. 6 brigitte
    12. November 2009 um 12:25

    Guten tag liebe Heike,

    Möglich ,das es bei euch anders ist ,aber das liest sich sehr traurig und hoffnungslos:-(

    http://www.zeit.de/2009/11/Wallraff-11

    • 12. November 2009 um 15:51

      Meine liebe Brigitte, das liest sich wirklich furchtbar!! Und ja, hier in Chemnitz ist es anders. Wie mir die Verantwortliche versicherte, wird niemand vor der Tür stehen gelassen.

      Liebe Grüße!

  5. 8 brigitte
    12. November 2009 um 20:39

    Das ist ja sehr beruhigend zu wissen. Mir ist aufgefallen bei deinen Fotos wie picobello sauber es dort ist . Bin mal gespannt auf die Bilder vom „Club Heinrich“.
    Ich wünsche dir einen schönen Abend liebe heike .


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


ca. 7000 Puzzle, Leinwände, Fotografien und Kalender von Heike Hultsch auf amazon

Dekorative Betonkunst

Rahmungen, Leinwände etc. online bestellen

FineArt America

Das Kalenderhaus – online Bestellung

Posterlounge

Posterlounge

Hochwertige Bilder online bestellen

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 294 Followern an

November 2009
M D M D F S S
« Okt   Dez »
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
30  
counter for wordpress Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

Blog Stats

  • 433,076 hits

Archive


%d Bloggern gefällt das: